Cartesianismus und Augustinismus.
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bleibt für alle menschliche Wissenschaft der einzige und unfehlbare
Lehrmeister.?)
Hatte sich schon Descartes selbst in der letzten Phase seiner
Enlwicklung dieser gedanklichen Wendung genähert, so tritt sie
immer schärfer bei den Nachfolgern hervor, die den theologischen
und dogmatischen Fragen nicht mehr mit der gleichen inneren
Freiheit und Unbefangenheit, wie er selbst, gegenüberstehen. Die
Verbindung von Cartesianismus und Augustinismus wird
jetzt einer der markantesten und hervorstechendsten Züge in der
geistigen und religiösen Signatur der Zeit. In ihr begegnen sich
die verschiedenen Richtungen, die sich innerhalb der Schule am
schärfsten befehden: in ihr stimmt der Jansenismus, stimmt vor
allem Arnauld mit Malebranche, seinem philosophischen Antipoden,
überein. Der Gegensatz der Individuen und ihrer Geistesart
verrät sich nur in der verschiedenen Art, in der sie die gemeinsame
Aufgabe in Angriff nehmen, in der sie die widerstreitenden
Denkrichtungen zu versöhnen und einander anzugleichen
suchen. Wenn Arnauld in seiner Theologie die Gedanken
Descartes’ und Augustins gleichmässig übernimmt und
fast naiv aneinanderreiht, so sucht Malebranche durch eine
kritische Umbildung der Cartesischen Ideenlehre zu einer höheren
philosophischen Synthese beider Systeme fortzuschreiten. Zur
vollen Erfassung und zu höchster individueller Bestimmtheit aber
gelangt der grundlegende philosophische Widerstreit in Pascal,
der nach seiner geistigen Doppelnatur die Gegensätze in sich
selber durchlebt und zur Darstellung bringt. Während auf der
einen Seite Augustins Lehre von der Erbsünde und Gnadenwahl,
wie sie ihm in dem Werke des Jansenius entgegentritt, seine
gesamte religiöse Entwicklung bestimmt, ist es andererseits das
Vorbild der neuen Methode und die Ausprägung, die sie in der
Geometrie gefunden, die seine Begriffsbestimmung des „Denkens“
bedingt. Wenn Augustin ihm den Inhalt seiner Philosophie darbietet,
so gibt ihm die Schule der Cartesianischen Logik erst das
Rüstzeug und die Waffe, mit denen er sie behauptet und verteidigt.
Je lebendiger und persönlicher aber die beiden Züge sich
in ihm durchdringen, um so deutlicher tritt in der Schärfe und
Unerbittlichkeit seiner Dialektik, die den Widerspruch nicht vermeidet,
sondern ihn aufsucht und vertieft. ihre sachliche Unver-