Full text: Deutschlands Auslandsanleihen

) 
Einleitung, 
Jahre hinaus ausländischer Kapitalien bedürfen, denn die Mittel 
für die Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen, die wesent- 
lich höheren Ausgaben für soziale Fürsorge usw. zwingen zu einer 
Besteuerung der Bevölkerung, die schon für sich einer Kapital- 
bildung im Inland stark hemmend entgegensteht. Dazu kommt, 
daß Deutschland mit seinem industriellen und landwirtschaftlichen 
Wiederaufbau und Umbau stark in Rückstand geraten ist und 
für die „Rationalisierung“. Leihkapital noch mehr bedarf, als bei 
normaler wirtschaftlicher Entwicklung vielleicht nötig gewesen 
wäre. 
Die Auslandsanleihen sollen also einmal das im Inland 
fehlende Leihkapital ersetzen, zweitens aber — und dies zweifel- 
los gegen Sinn und Absicht des Dawes-Plans — die Tragung der 
Reparationslasten ermöglichen. Es ist wohl richtig, daß die Aus- 
landskapitalien, vorausgesetzt, daß sie richtig verwendet werden, 
die Rentabilität der Volkswirtschaft so erhöhen, daß nicht nur 
Zinsen und Tilgungsquoten gedeckt sind, sondern auch noch eine 
Rente darüber hinaus erzielt wird. Es ist aber eine sehr einfache 
Rechnung, daß zu der Erzielung einer solchen Rente in Höhe 
der Reparationslasten Anleihen im Betrage von mehreren hundert 
Milliarden Mark erforderlich wären. 
Das Beispiel der Vereinigten Staaten vor dem Kriege muß 
man sich vor Augen halten, wenn man die zunehmende Ver- 
schuldung Deutschlands an das Ausland richtig beurteilen will. 
Die Vereinigten Staaten sind mit ausländischem Kapital groß ge- 
worden; in gleicher Weise besteht die Möglichkeit, daß Deutsch- 
land mit ausländischem Kapital wieder groß wird. Ferner muß 
man beachten, welche gewaltigen Leihkapitalien jetzt von den 
Vereinigten Staaten nach Kanada und Südamerika wandern. Die 
Vereinigten Staaten sind vor dem Kriege ebenso ohne Beratungs- 
stelle für Auslandsanleihen ausgekommen wie jetzt Kanada und 
Südamerika. Der leitende Gesichtspunkt bei der Beurteilung der 
Auslandsanleihen muß sein, daß Deutschland unter normalen Ver- 
hältnissen zurzeit durch Hereinnahme von Leihkapitalien aus dem 
Ausland nur gewinnen kann. Die Bedenken gegen eine 
hemmungslose Hereinnahme aus dem Grunde, weil für Deutsch- 
land normale Verhältnisse eben nicht vorliegen, darf man über 
diesen leitenden Gesichtspunkt nicht übermäßig in den Vorder- 
grund treten lassen. Vor allem bedürfen Landwirtschaft und In- 
dustrie noch ganz bedeutender Auslandskapitalien; die Aufnahme 
von Auslandsanleihen für sie dürfte in keiner Weise erschwert. 
sondern müßte im Gegenteil nach Möglichkeit gefördert werden.
	        
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