Deutschlands Auslandsanleihen.
Für Tilgung und Verzinsung sind demnach insgesamt rund
143 Mill. AM auszugeben, während sich der Erlös auf etwa
79 Mill. M stellte. Die Unkosten belaufen sich also auf rund
54 Mill. 4%. Zu dem Erlös wären an sich noch die in Aktien um-
getauschten Anleihen der Kokswerke von 4 Mill. und der Poly-
phonwerke von 100 000 £, also rund 6 Mill. X hinzuzusetzen, in-
dessen würde hiervon wieder der im Laufe der Jahre zu zahlende
Dividendenbetrag abzusetzen sein.
Außer den bekanntgewordenen größeren Anleihen sind an-
scheinend. noch zahlreiche kleinere Darlehn an die Industrie durch
andere Investmentgesellschaften als die German Credit and
Investment Company gewährt worden, insbesondere durch den
British and German Investment Trust !). Dazu kommen die An-
käufe von Obligationen und Aktien industrieller Gesellschaften
(wie auch anderer Gesellschaften) an deutschen Börsenplätzen
durch Investmentgesellschaften, die in der Zeit der allgemeinen
Kurssteigerung nicht unbeträchtlich waren. Im Vergleich zur
Gesamtsumme der deutschen Auslandsanleihen dürften aber auch
diese Käufe keinen allzu großen Prozentsatz ausmachen; ein
großer Teil der erworbenen Werte dürfte auch bereits wieder ab-
gestoßen sein, so daß für die deutsche Volkswirtschaft wohl ein
vorübergehender starker Verlust durch die vom Ausland erzielten
Spekulationsgewinne, aber keine langjährige Belastung mit. Zins-
und Dividendenzahlungen entstanden ist. Die Kapitalrenten-
steuer wirkt doch zu stark abschreckend auf die ausländischen
Käufer, als daß sie deutsche Werte in größerem Umfange als dau-
arnde Kapitalanlage erwerben würden.
In manchen Veröffentlichungen werden Kontokorrentkredite
als Anleihen erwähnt, die selbstverständlich einen ganz anderen
Charakter haben ?). So z. B. der für kürzere Zeit bei der Chase
National Bank in Anspruch genommene 2-Mill.-$-Kredit der Kali-
Industrie A.-G., Kassel; der zur Ausfuhrfinanzierung vom Kali-
syndikat im Dezember 1924 vereinbarte 6-Mill.-$-Kredit, der durch
die Anleihe des Kalisyndikats längst erledigt ist; ähnliche Kredite
des Ruhrkohlensyndikats von 5 Mill. $ (September 1924) und
2,5 Mill. $ (Oktober 1924), der Mannesmannröhren-Werke von
5 Mill. $ (März 1926), der Gewerkschaft Diergardt (5 Mill. A bei
J. Henry Schröder, London) u. a. Der bedeutendste Kredit dieser
Art ist der seit 1920 von der holländischen Regierung der deut-
schen Industrie gewährte sog. Revolvingkredit von 140 Mill. hfl.
1) Bei der Einführung der Shares dieses Trusts an der Londoner Börse
vab der Trust bekannt, daß er bis Ende 1926 an industrielle Gesellschaften
Deutschlands 508050 £ Hypothekardarlehen gewährt habe.
? Infolgedessen kommen diese Veröffentlichungen insbesondere für
1925 auch zu wesentlich höheren Gesamtziffern, zumal wenn sie noch An-
leihen hinzurechnen, die überhaupt nicht zur Auflegung gelangt sind,