Prostitution.
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kleideten, teureren nennen in Frankreich ihre ärmeren und
schlechter gekleideten Kolleginnen verachtungsvoll pierreuses
und werden von jenen mit dem Schimpfwort panaches zurückgezahlt.
Außerdem gibt es reine Wertbestimmungen, wie
„femme d’un franc“, „femme de cinq francs“, „Tu es femme
d’un franc!“ gilt als blutige Beleidigung ?46. In weiterer Hinsicht
sind auch starke nationale Milieuunterschiede zu bemerken.
Schon der englische Botschaftsrat am Hofe Ludwig-Philipps,
Lord Henry Lytton Bulwer, der Bruder des Romanschriftstellers,
stellt in seinen komparativen Studien über das
französische und das englische Gesellschaftsleben fest, daß das
Herabsinken der englischen und das der französischen Mädchen
in die Niederungen des vielgeschlechtlichen Lebens nicht
zu den gleichen Folgen führe. Die englische Dirne wird gottund
weltverlassen, sie verdummt und vertiert?47; die französische
hingegen bewahrt‘ sich einen beträchtlichen Rest von Humanität
und verliert selten das Streben nach sozialem Aufstieg,
nach Kapillarität?48, Schreiber dieses ist um ein Dreivierteljahrhundert
später bei Vergleichen zwischen der französischen
Prostitution einerseits und der deutschen und italienischen
andererseits zu ähnlichen Resultaten gelangt?49.
Das wesentliche sozialethische Kriterium, das bei den minderbemittelten
Schichten der in Frage kommenden Mädchen in
den meisten europäischen Ländern auch zum Kriterium der
verwaltungstechnischen und polizeilichen Handhabung des
Problems geworden ist, ist der Begriff der Käuflichkeit?50,
7 6 Cesare Lombroso et Guglielmo Ferrero, La Femme criminelle
et la Prostituse, Paris 1896, Alcan, p. 566. — Für Deutschland vgl.
Margarete Böhme, Tagebuch einer Verlorenen, 1. c., S. 148.
247 Henry Lytton Bulwer, France social. litterary. political. Paris
834, Baudry, p- 226.
248 Bulwer, p. 226; Parent-Duchatelet, vol, I, p. 151.
249 Robert Michels, Geschlechtsmoral, S. 33.
250 Die Konvention der Untersagung jedes außerehelichen Beischlafs des
„anständigen“ jungen Mädchens durch die Sitte liegt ohnehin durchaus