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Die jungdeutsche Idee will die Entfesselung der Willens kräfte
nicht in der Aufpeitschung der Gegensätze vollziehen, sondern in
treudiger Bejahung eines klaren und liebenswerten Hochzieles.
Diese Erziehung zur schöpferischen Bejahung hat große Anforde⸗
cungen an die Brüder des Jungdeutschen Ordens gestellt. Die natio—
nale Bewegung der Gegenwart glich dem Vormarsch getrennter Heeres⸗
säulen auf einem weiten Feld. Eine dieser Heeressäulen war der
Jungdeutsche Orden. Die von der Leidenschaft des Antigeistes er⸗
füllten Angehörigen anderer Kolonnen schmähten den Jungdeutschen
Orden, weil er in langsamerer Gangart marschierte, und weil er am
Lärm der Antigeister nicht teilnahm. Wohl kamen die anderen früher
am Ziel an, aber starke Mauern hemmen ihren weiteren Weg. Die
Mauern sind unersteigbar. Ratlos stehen viele umher. Manche pak⸗
tieren schon mit den Herren der Zwingburg, die sie einst nicht laut
genug zu brechen geloben konnten. Nun ist die Stunde des Jung-
deutschen Ordens gekommen. Auch er steht vor den Mauern der
Zwingburg, aber er hat Leitern mitgebracht. Diese Leitern versinn⸗
bildlichen die Idee vom Volksstaat. Die jungdeutschen Pioniere glauben
an die Festigkeit dieser Leitern, weil sie diese selbst gezimmert haben.
Aus dem jungdeutschen Erlebnis wurde die Idee
vom organischen Volksstaat geboren. Darum ist der
Jungdeutsche Orden heute in der Lage, die natürliche
Bewegung des 20. Jahrhunderts durch eine von ihrem
Sinn erfüllte und von kraftvollem Siegeswillen durch⸗
drungene Garde zu verstärken.
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