fullscreen: Wissenschaftlicher Sozialismus, Kommunismus, Anarchismus und Bolschewismus

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ginnen mit einer ganz kurzen Darlegung seiner außerordentlich schwer ver 
ständlichen Wert- und Mehrwerttheorie. Gleich eingangs unserer auch hier 
getreu unserem Programm nur ganz skizzenhaften Erörterung müssen wir 
aber vor der nicht nur in Laienkreisen sehr weit verbreiteten Auffassung 
warnen, als ob diese Theorien das Zentrum der ganzen marxischen Na 
tionalökonomie, der Grund- und Eckstein gewissermaßen seines Lehrgebäu 
des wären. Niemals hat bei Marx die Wert- und Mehrwerttheorie die ge 
waltige Bedeutung gehabt wie bei den früheren Sozialisten, etwa Owen, 
Rodbertus und Lassalle. Niemals hat Marx gelehrt, die Arbeiter erhielten 
unter der kapitalistischen Wirtschaftsordnung einen zU niedrigen, unge 
rechten Lohn und deshalb müsse eine neue gerechtere Wirtschaftsordnung 
geschaffen werden. Derartige ethische Erwägungen sind dem großen Sozial- 
philosvphen und Wirtschaftstheoretiker stets durchaus fremd gewesen. Mit 
seiner berühmten Wert- und Mehrwerttheorie hat er nur den Halt und das 
innere Gefüge der kapitalistischen Wirtschaftsordnung aufzeigen wollen. 
Durchaus mit Recht betont Karl Diehl (Sozialismus, Kommunismus, 
Anarchismus, 2. Auflage, S. 211), daß auch beim Nachweis der gänzlichen 
Unrichtigkeit feiner Wert- und Mehrwerttheorie noch gar nichts bewiesen 
wäre gegen die Richtjgkeit der marxischen These der Naturnotwendigkeit 
der neuen kommunistischen Wirtschaftsordnung. Engels sagt über das Ver 
hältnis des Wertgesetzes zum Marxischen Sozialismus überhaupt: „Marx 
hat nie seine kommunistischen Forderungen hierauf begründet, sondern auf 
den notwendig sich vor unseren Augen täglich mehr und mehr vollziehenden 
Zusammenbruch der kapitalistischen Produktionsweise" (Vorwort zum „Elend 
der Philosophie") 
Die Grundlage alles und jeden Reichtums der privatkapitalistischen 
Wirtschaftsordnung, einer Gesellschaftsform, die nicht Gebrauchswerte für sich, 
sondern solche für andere, d. h. für den Markt herstellt, ist nach Marx die mensch 
liche Arbeitskraft. Allen Waren ist bei und trotz ihrer unendlichen Mannig 
faltigkeit und Vielgestaltigkeit eine Eigenschaft gemeinsam: die von Ar 
beitsprodukten. ^Abstrahieren wir von dem jeweiligen konkreten Ge 
brauchswert der Waren, .... so verschwinden auch die verschiedenen kon 
kreten Formen dieser Arbeiten, sie unterscheiden sich nicht länger, sondern 
sind allzusamt reduziert auf gleiche menschliche Arbeit, abstrakt menschliche 
Arbeit." (Marx: „Das Kapital", 8. Auflage, herausgegeben von Friedrich 
Engels, Band I, S. 4.) Jedes Gut oder jeder Gebrauchswert hat nach Marx 
nur deshalb einen Wert, „weil abstrakt menschliche Arbeit in ihm ver 
gegenständlicht oder materialisiert ist." (S. 5 a. a. O.) Die Größe des Wer 
tes mißt sich durch das Quantum der in dem Gute enthaltenen wertbilden 
den Substanz, eben der Arbeit. Den sehr naheliegenden Einwand, daß die 
menschliche Arbeitskraft als unbedingt gültiger Maßstab für den Wert eines 
jeglichen Guts schon deshalb völig unbrauchbar fei, weil sie doch je nach 
der Beschaffenheit ihrer einzelnen Träger, ob faul oder fleißig, geschickt oder 
ungeschickt, sehr verschiedenartig sei und demnach die-Ware, die ein träger 
oder ungeschickter Arbeiter in weit längerer Zeit herstelle — demnach auch 
wertvoller sein müsse als die in kürzerer Zeit von, einem fleißigen und 
tüchtigen Arbeiter hergestellte, weist Marx selber mit dem Hinweise darauf 
zurück, daß er nicht die einzelne individuelle Arbeitskraft als Maß-
	        
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