Label ist mehrere Jahrzehnte später auch gegen die Heimarbeit in
der Konfektionsindustrie mit ausserordentlichem Erfolg wiederholt
worden, wobei neben den Gewerkschaften auch bürgerliche soziale
Vereinigungen eifrig mitwirkten.
An dem Erfolg, den seinerzeit die Zigarrenmacher mit ihrem
Vorgehen erzielten, erkannten auch andere Gewerkschaften, dass
das Label-System unter Umständen eine brauchbare Waffe im
Gewerkschaftskampf werden könnte, auch wenn der sanitäre Unter-
grund fehlte. Nacheinander gingen noch verschiedene Gewerk-
schaften dazu über, für die von ihren Mitgliedern zu gewerkschaft-
lichen Bedingungen hergestellten Waren solche Abzeichen ein-
zuführen und sie den Unternehmern zur Kennzeichnung ihrer
Fabrikate zur Verfügung zu stellen. Den Zigarrenmachern folgten
die Buchdrucker, Bekleidungsarbeiter, Böttcher, Bäcker, Schuh-
macher, Former u.a. Schliesslich erschien es zweckmässig, das
ganze Label-System zu zentralisieren, um sowohl seine Anwendung
als auch die öffentliche Propaganda zu vereinheitlichen und zu ver-
einfachen. Im Jahre 1909 wurde eine solche Zentralstelle als be-
sondere Abteilung bei der Federation begründet, die sich seitdem
eifrig bemüht, dem gewerkschaftlichen Schutzzeichen grössere
Anerkennung zu verschaffen. Zurzeit sind 51 Zentralverbände
dieser Abteilung angeschlossen und ebenso viele Labels registriert.
Das Label-Departement hat kürzlich mit Zustimmung der an-
geschlossenen Verbände beschlossen, eine grosse Propaganda-
kampagne mit ausserordentlichen Mitteln im ganzen Lande durch-
zuführen. Zu diesem Zweck ist ein grosser Film hergestellt worden,
in dem der Segen ausreichender Arbeitsbedingungen und die Be-
deutung, die darauf das Label-System bei allgemeiner Anwendung
haben kann, anschaulich demonstriert wird.
Nach unseren persönlichen Eindrücken während der Anwesenheit
in den Vereinigten Staaten bleibt die Auswirkung des Label-Systems
vorläufig noch erheblich hinter den damit verbundenen Erwartungen
zurück. Es scheint, als ob breite Kreise, selbst der organisierten
Arbeiter, den gewerkschaftlichen Schutzmarken nur geringe Be-
achtung schenken. In den Verkaufsgeschäften ist sehr selten und
dann noch meist nur sehr versteckt ein Hinweis zu sehen, dass
Label-Waren verkauft werden. Offenbar versprechen sich die
Händler von einer solchen Ankündigung keinen grossen Nutzen,
was doch der Fall sein müsste, wenn grössere Käufermassen ihren
Einkauf davon abhängig machen würden. Mit dieser Beobachtung
stimmt auch die Mitteilung überein, die wir von Gewerkschaftern
erhielten, dass vielfach auch solche Fabrikanten, die berechtigt
sind, ihre Erzeugnisse mit dem Label zu versehen, davon keinen
Gebrauch machen. Wenn somit im öffentlichen Geschäftsleben
das Label allgemein auch noch nicht sehr ins Gesicht fällt, so sind
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