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erforderlich werdende, provisorische Anschlußleitung zu
tragen. Die technische Ausführbarkeit war von dem Ge-
meindebaumeister anerkannt worden, da auch an historischen
Straßen viergeschossige Wohngebäude nur errichtet werden
dürfen, wenn der vorliegende Straßenteil mit einer Ent
wässerungsanlage versehen ist, und da diese Entwässerungs
anlage nicht nur gebrauchsfähig, sondern auch planmäßig
fertiggestellt sein muß, war der Gemeindevorstand nach dem
Wortlaut des Gesetzes berechtigt, das Gesuch des "Vereins ab
zulehnen. Wieder mußte das Projekt umgeändert werden.
Es geschah diesmal in der Weise, daß man ein Geschoß
strich, weil dreigeschossige Gebäude auch an nicht kanali
sierten Straßen errichtet werden dürfen, und außerdem
wurden Anlagen für die anderweitige Beseitigung der Abfall
stoffe dem Plan einverleibt. Wiederum wurde die Genehmigung
versagt oder vielmehr der Polizeiverwalter, der mit dem Ge
meindevorstand identisch ist, ließ sich garnicht auf die
Prüfung des Projektes ein, weil die Planvorlage nicht voll
ständig sei. Jetzt wandte sich der Verein an den Landrat
des Kreises, der sich aber auf die Seite der Polizeibehörde
stellte. Darauf richtete der Verein eine Beschwerde gegen
die Verfügung des Landrats an den Kegierungspräsidenten
von Potsdam, worüber die Entscheidung noch aussteht.
Im Laufe des Jahres 1901 trat der Magistrat von
Charlottenburg wegen Errichtung von kleinen Wohnungen
mit dem Verein in Verhandlung. Da der Magistrat den Ver
ein aber nur unter der Bedingung unterstützen wollte, wenn
sämtliche Wohnungen der dort zu errichtenden Ansiedlung
den Arbeitern und Unterbeamten der Stadt Charlottenburg
zur Verfügung gestellt würden, so sah sich der Verein ge
nötigt, die Verhandlungen abzubrechen. Der Verein hat in
erster Linie die Interessen seiner Mitglieder wahrzunehmen,
und es widerspricht diesen Interessen, wenn die von dem
Verein errichteten Wohnungen nicht seinen Mitgliedern,
sondern ihren Arbeitgebern zur Verfügung gestellt werden.
Da aber in Charlottenburg ein großer Mangel an kleinen
Wohnungen vorhanden ist, wäre es sehr wünschenswert,
wenn irgend ein Weg gefunden würde, um die dem geplanten
Unternehmen entgegenstehenden Schwierigkeiten zu überwinden.
Kr omrey, Baugenossenschaften. 4