Full text: Der Produktionsprozeß des Kapitals (1.1928)

Dritter Abschnitt 
Million und beträgt der Durchschnittsarbeitstag eines Arbeiter! 
10 Stunden, so besteht der gesellschaftliche Arbeitstag aus 10 Millio- 
nen Stunden. Bei gegebener Länge dieses Arbeitstages, seien sein® 
Grenzen physisch oder sozial gezogen, kann die Masse des Mehr- 
wertes nur vermehrt werden durch Vermehrung der Arbeiteranzahl 
das heißt der Arbeiterbevölkerung. Das Wachstum der Bevölkerung 
bildet hier die mathematische Grenze für Produktion des Mehr- 
wertes durch das gesellschaftliche Gesamtkapital. Umgekehrt. Be 
gegebener Größe der Bevölkerung wird diese Grenze gebildet durc} 
die mögliche Verlängerung des Arbeitstages.?* Man wird im folgel 
den Kapitel sehen, daß dies Gesetz nur für die bisher behandelte 
Form des Mehrwertes gilt. 
Aus der bisherigen Betrachtung der Produktion des Mehrwerte* 
ergibt sich, daß nicht jede beliebige Geld- oder Wertsumme il 
Kapital verwandelbar, zu dieser Verwandlung vielmehr ein be 
stimmtes Minimum von Geld oder Tauschwert in der Hand des 
einzelnen Geld- oder Warenbesitzers vorausgesetzt ist. Das Min! 
mum von variablem Kapital ist der Kostenpreis einer einzelne» 
Arbeitskraft, die das ganze Jahr durch, tagaus, tagein, zur Ge 
winnung von Mehrwert vernutzt wird. Wäre dieser Arbeiter im 
Besitze seiner eigenen Produktionsmittel und begnügte er sich, al‘ 
Arbeiter zu leben, so genügte ihm die zur Reproduktion seinel 
Lebensmittel notwendige Arbeitszeit, sage von 8 Stunden täglich 
Er brauchte also auch nur Produktionsmittel für 8 Arbeitsstunden 
Der Kapitalist dagegen, der ihn außer diesen 8 Stunden sage 
4 Stunden Mehrarbeit verrichten läßt, bedarf einer zusätzlichen Geld 
summe zur Beschaffung der zusätzlichen Produktionsmittel. Unter 
unserer Annahme jedoch müßte er schon zwei Arbeiter anwenden 
um von dem täglich angeeigneten Mehrwert wie ein Arbeiter leben 
das heißt seine notwendigen Bedürfnisse befriedigen zu können 
In diesem Fall wäre bloßer Lebensunterhalt der Zweck seiner Pro 
duktion, nicht Vermehrung des Reichtums, und das letztere ist unter 
stellt bei der kapitalistischen Produktion. Damit er nur doppelt s0 
gut lebe wie ein gewöhnlicher Arbeiter, und die Hälfte des produzier- 
ten Mehrwertes in Kapital zurückverwandle, müßte er zugleich mil 
der Arbeiterzahl das Minimum des vorgeschossenen Kapitals um das 
Achtfache steigern. Allerdings kann er selbst, gleich seinem Ar 
beiter, unmittelbar Hand im Produktionsprozesse anlegen, aber is! 
dann auch nur ein Mittelding zwischen Kapitalist und Arbeiter, eiP 
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204 „Die Arbeit, das heißt die‘ in der Wirtschaft vernutzte Zeit eine! 
Gesellschaft ist eine bestimmte Größe, zum Beispiel 10 Stunden täglich 
von 1 Million Arbeiter, das sind also 10 Millionen Arbeitsstunden. ... Da‘ 
Kapital hat seine Schranke der Vermehrung, Diese Schranke ist für jede 
Periode mit dem tatsächlichen Ausmaß der in der Wirtschaft vernutzten Ar 
beitszeit gegeben.“ („An Essay on the Political Economy of Nations. Londo? 
1821“, p. 47, 49.)
	        
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