Jugendzeit bis zum „großen Scheiden".
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ist geboren." Ms Suddhodana diese Worte gemeldet wurden, be
stimmte er, daß sein Enkel Eahula heißen sollte. In seinen Palast
zurückgekehrt, legte der Prinz sich auf sein Bett. Da kamen schöne
Tänzerinnen, die mit Gesang und Tanz ihn erfreuen wollten. Aber
der Prinz war schon dagegen abgehärtet; er schlief bald ein, und
auch die Tänzerinnen legten sich zur Ruhe, als sie sahen, daß ihre
Künste vergeblich waren. Mitten in der Nacht erwachte der Prinz
und sah die schlafenden Tänzerinnen. Ihre Musikinstrumente waren
ihnen entfallen; Speichel floß ihnen aus dem Munde; ihre Glieder
waren von Müdigkeit schlaff; einige knirschten mit den Zähnen;
andere schnarchten; einige redeten im Traume; einige lagen mit
geöffnetem Munde da; anderen waren die Kleider entfallen, und
sie zeigten häßliche Gebrechen. Da wurde in ihm der Ekel gegen
die sinnlichen Genüsse noch verstärkt. Sein Schlafgemach, das in
seinem prächtigen Schmucke der Wohnung des Götterkönigs Indra
glich, kam ihm wie ein Kirchhof voll entstellter Leichen vor. Er
beschloß, noch an diesem Tage „das große Scheiden" auszuführen.
Der Wagenlenker erhielt den Befehl, den treuen Hengst Kanthaka
zu satteln, der, merkend was vorgeht, so laut vor Freude wieherte,
daß die ganze Stadt es gehört hätte, wenn die Götter nicht den
Schall gedämpft hätten. Der Prinz konnte aber nicht scheiden,
ohne seinen Sohn gesehen zu haben. Als er das Schlafgcmach
seiner Frau betrat, sah er, wie diese auf blumenüberstreutem Lager
schlief, indem sie ihre Hand auf den Kopf des Kindes gelegt hatte.
Da dachte er: „Wenn ich die Hand der Prinzessin entferne, um
das Kind zu nehmen, so wird sie erwachen, und das wird ein Hindere
nis für meinen Weggang sein. Ich werde wiederkommen und
meinen Sohn sehen, wenn ich Buddha geworden bin." Damit
schied er.
Die jüngere Legende hat, wie man sieht, mit unleugbarer Kunst
alles hervorgesncht, was einem Alltagsmenschen das Scheiden aus
gewohnten Verhältnissen schwer machen muß. Sie hat dadurch
Buddhas Festigkeit in Helles Licht gerückt. Die nördliche Über
lieferung weicht von der südlichen in einigen Punkten ab; im ganzen
aber ist Übereinstimmung vorhanden.
Es wird dann weiter geschildert, auf wie wunderbare Weise der
Prinz mit seinem Wagenlenker aus der festverschlossenen Stadt
hinauskam. Nach einem gewaltigen Ritte von 30 Stunden durch
drei Königreiche kam er an das User des Flusses Anavama (Pali
Anomä), Hier schor er sein Haar ab, und der Erzengel Ghali: