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Vierundzwanzigstes Kapitel.
Bauern ab.!*? Obgleich der englische Boden daher nach der nor-
männischen Eroberung in riesenhafte Baronien verteilt ward, wovon
eine einzige oft 900 alte angelsächsische Lordschaften einschloß, war
er besät von kleinen Bauernwirtschaften, nur hier und da durch,
brochen von größeren herrschaftlichen Gütern. Solche Verhältnisse,
bei gleichzeitiger Blüte des Städtewesens, wie sie das 15. Jahr-
hundert auszeichnet, erlaubten jenen Volksreichtum, den der Kanz-
ler Fortescue so beredt in seinen „Laudibus Legum Angliae“ schil-
dert, aber sie schlossen den Kapitalreichtum aus.
Das Vorspiel der Umwälzung, welche die Grundlage der kapita-
listischen Produktionsweise schuf, ereignet sich im letzten Drittel
des 15. und den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts. Eine
Masse vogelfreier Proletarier ward auf den Arbeitsmarkt ge-
schleudert durch die Auflösung der feudalen Gefolgschaften, die,
wie Sir James Steuart richtig bemerkt, „überall nutzlos Haus und
Hof füllten“. Obgleich die königliche Macht, selbst ein Produkt der
bürgerlichen Entwicklung, in ihrem Streben nach absoluter Herr-
schaft die Auflösung dieser Gefolgschaften gewaltsam beschleunigte,
war sie keineswegs deren einzige Ursache. Vielmehr im trotzigsten
Gegensatz zu Königtum und Parlament, schuf der große Feudalherr
ein ungleich größeres Proletariat durch gewaltsame Verjagung der
Bauernschaft von dem Grund und Boden, worauf sie denselben
feudalen Rechtstitel besaß wie er selbst, und durch Usurpation,
widerrechtliche Aneignung, ihres Gemeindelandes.
Den unmittelbaren Anstoß dazu gab in England namentlich das
Aufblühen der flandrischen Wollmanufaktur und das entsprechende
Steigen der Wollpreise. Den alten Feudaladel hatten die großen
Feudalkriege verschlungen, der neue war ein Kind seiner Zeit, für
welche Geld die Macht aller Mächte. Verwandlung von Ackerland
in Schafweide ward also sein Losungswort. Harrison, in seiner
„Description of England. Prefixed to Holinshed’s Chronicles“, be-
schreibt, wie die Expropriation der kleinen Bauern das Land ruiniert.
„What care our great incroachers!“ (Was fragen unsere großen
Usurpatoren danach?) Die Wohnungen der Bauern und die Cottages
der Arbeiter wurden gewaltsam niedergerissen oder dem Verfall
geweiht. „Wenn man“, sagt Harrison, „die älteren Urkunden jedes
Rittergutes vergleichen will, so wird man finden, daß unzählige
Häuser und kleine Bauernwirtschaften verschwunden sind, daß das
Land viel weniger Leute nährt, daß viele Städte verfallen sind, ob-
gleich einige neue aufblühen. ... Von Städten und Dörfern, die man
für Schaftriften zerstört hat, und worin nur noch die Herrschafts-
häuser stehen, könnte ich etwas erzählen.“
192 Japan, mit seiner rein feudalen Organisation des Grundeigentums
und seiner entwickelten Kleinbauernwirtschaft, liefert ein viel treueres Bild
des europäischen Mittelalters als unsere sämtlichen, meist von bürgerlichen
Vorurteilen diktierten Geschichtsbücher. Es ist gar zu bequem, auf Kosten
des Mittelalters „liberal“ zu sein.
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