Full text: Der Produktionsprozeß des Kapitals (1.1928)

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Vierundzwanzigstes Kapitel. 
Bauern ab.!*? Obgleich der englische Boden daher nach der nor- 
männischen Eroberung in riesenhafte Baronien verteilt ward, wovon 
eine einzige oft 900 alte angelsächsische Lordschaften einschloß, war 
er besät von kleinen Bauernwirtschaften, nur hier und da durch, 
brochen von größeren herrschaftlichen Gütern. Solche Verhältnisse, 
bei gleichzeitiger Blüte des Städtewesens, wie sie das 15. Jahr- 
hundert auszeichnet, erlaubten jenen Volksreichtum, den der Kanz- 
ler Fortescue so beredt in seinen „Laudibus Legum Angliae“ schil- 
dert, aber sie schlossen den Kapitalreichtum aus. 
Das Vorspiel der Umwälzung, welche die Grundlage der kapita- 
listischen Produktionsweise schuf, ereignet sich im letzten Drittel 
des 15. und den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts. Eine 
Masse vogelfreier Proletarier ward auf den Arbeitsmarkt ge- 
schleudert durch die Auflösung der feudalen Gefolgschaften, die, 
wie Sir James Steuart richtig bemerkt, „überall nutzlos Haus und 
Hof füllten“. Obgleich die königliche Macht, selbst ein Produkt der 
bürgerlichen Entwicklung, in ihrem Streben nach absoluter Herr- 
schaft die Auflösung dieser Gefolgschaften gewaltsam beschleunigte, 
war sie keineswegs deren einzige Ursache. Vielmehr im trotzigsten 
Gegensatz zu Königtum und Parlament, schuf der große Feudalherr 
ein ungleich größeres Proletariat durch gewaltsame Verjagung der 
Bauernschaft von dem Grund und Boden, worauf sie denselben 
feudalen Rechtstitel besaß wie er selbst, und durch Usurpation, 
widerrechtliche Aneignung, ihres Gemeindelandes. 
Den unmittelbaren Anstoß dazu gab in England namentlich das 
Aufblühen der flandrischen Wollmanufaktur und das entsprechende 
Steigen der Wollpreise. Den alten Feudaladel hatten die großen 
Feudalkriege verschlungen, der neue war ein Kind seiner Zeit, für 
welche Geld die Macht aller Mächte. Verwandlung von Ackerland 
in Schafweide ward also sein Losungswort. Harrison, in seiner 
„Description of England. Prefixed to Holinshed’s Chronicles“, be- 
schreibt, wie die Expropriation der kleinen Bauern das Land ruiniert. 
„What care our great incroachers!“ (Was fragen unsere großen 
Usurpatoren danach?) Die Wohnungen der Bauern und die Cottages 
der Arbeiter wurden gewaltsam niedergerissen oder dem Verfall 
geweiht. „Wenn man“, sagt Harrison, „die älteren Urkunden jedes 
Rittergutes vergleichen will, so wird man finden, daß unzählige 
Häuser und kleine Bauernwirtschaften verschwunden sind, daß das 
Land viel weniger Leute nährt, daß viele Städte verfallen sind, ob- 
gleich einige neue aufblühen. ... Von Städten und Dörfern, die man 
für Schaftriften zerstört hat, und worin nur noch die Herrschafts- 
häuser stehen, könnte ich etwas erzählen.“ 
192 Japan, mit seiner rein feudalen Organisation des Grundeigentums 
und seiner entwickelten Kleinbauernwirtschaft, liefert ein viel treueres Bild 
des europäischen Mittelalters als unsere sämtlichen, meist von bürgerlichen 
Vorurteilen diktierten Geschichtsbücher. Es ist gar zu bequem, auf Kosten 
des Mittelalters „liberal“ zu sein. 
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