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Siebter Abschnitt.
es waren ebenso viele idyllische Methoden der ursprünglichen
Akkumulation. Sie eroberten das Feld für die kapitalistische Agri-
kultur, einverleibten den Grund und Boden dem Kapital und schufen
der: städtischen Industrie die nötige Zufuhr von vogelfreiem
Proletariat.
3. Blutgesetzgebung gegen die Exproprlierten
seit Ende des 15. Jahrhunderts,
Gesetze zur Herabdrückung des Arbeitslohnes.
Die durch Auflösung der feudalen Gefolgschaften und durch
stoßweise, gewaltsame Expropriation von Grund und Boden Ver-
jagten, dies vogelfreie Proletariat konnte unmöglich ebenso rasch
von der aufkommenden Manufaktur aufgesaugt werden, als es auf
die Welt gesetzt ward. Anderseits konnten die plötzlich aus ihrer
gewohnten Lebensbahn Herausgeschleuderten sich nicht ebenso
plötzlich in die Disziplin des neuen Zustandes finden. Sie ver-
wandelten sich massenhaft in Bettler, Räuber, Vagabunden, zum Teil
aus Neigung, in den meisten Fällen durch den Zwang der Umstände.
Ende des 15. und während des ganzen 16. Jahrhunderts daher in
ganz Westeuropa eine Blutgesetzgebung wider Vagabondage. Die
Väter der jetzigen Arbeiterklasse wurden zunächst gezüchtigt für
die ihnen angetane Verwandlung in Vagabunden und‘ Paupers. Die
Gesetzgebung behandelte sie als „freiwillige“ Verbrecher und unter-
stellte, daß es von ihrem guten Willen abhänge, in den nicht mehr
existierenden alten Verhältnissen fortzuarbeiten.
In England begann jene Gesetzgebung unter Heinrich VII.
Heinrich VIIL, 1530: Alte und arbeitsunfähige Bettler erhalten
eine Erlaubnis zu betteln. Dagegen Auspeitschung und Einsperrung.
pachten in Sutherlandshire, wofür jüngst, beim Verfall des laufenden Pacht-
kontrakts, eine Jahresrente von 1200 PId. Ster]. geboten ward, wird in einen
Deer Forest verwandelt!“ Die feudalen Instinkte betätigen sich , . . wie zur
Zeit, wo der normännische Eroberer . . . 36 Dorfschaften zerstörte, um den
New Forest zu schaffen. . . . Zwei Millionen Acres, welche einige der frucht-
barsten Ländereien Schottlands einbegreifen, sind ganz und gar wüst gelegt.
Das natürliche Gras von Glen Tilt zählte zu den nahrhaftesten der Grafschaft
Perth; der Deer Forest von Ben Aulder war der beste Grasgrund in dem auß-
gedehnten Distrikt von Badenoch; ein Teil des Black Mount Forest war das
vorzüglichste schottische Weideland für schwarzgesichtige Schafe. Von der
Ausdehnung des für Jagdliebhaberei wüstgelegten Grund und Bodens mag
man sich eine Vorstellung bilden aus der Tatsache, daß er einen viel
größeren Flächenraum umfaßt als die ganze Grafschaft Perth. Den Verlust
des Landes an Produktionsquellen infolge dieser gewaltsamen Verödung
mag man daraus schätzen, daß der Boden des Forest von Ben Aulder 15 000
Schafe nähren konnte und daß er nur den dreißigsten Teil des gesamten
Jagdreviers von Schottland beträgt. ... All dies Jagdland ist durchaus
unproduktiv .., es hätte ebensowohl in die Fluten der Nordsee versenkt
werden können, Solchen nach Laune geschaffenen Einöden oder Wüsten
sollte die starke Hand der Gesetzgebung den Garaus machen.“