fullscreen: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Einleitung, 
langt zu qualitativer Unterscheidung und Entgegensetzung gegen 
die Welt der Objekte. Mag die naive Grundanschauung tatsäch- 
lich bis weit in die abstrakte Theorie hinein weiterwirken und 
ihre Vorherrschaft behaupten: mit dem Beginn der Wissenschaft 
‘st sie mittelbar bereits entwurzelt. Die Aufgabe wandelt sich 
nunmehr: sie besteht nicht in der nachahmenden Beschreibung, 
sondern in der Auswahl und der kritischen Gliederung, die 
an der unübersehbaren Vielheit der Wahrnehmungsdinge zu voll- 
ziehen ist. Die auseinanderstrebenden Anzeigen der Empfindung 
werden nicht gleichmässig hingenommen, sondern sie werden der- 
art gedeutet und umgebildet, dass sie sich zu einer in sich ein- 
stimmigen, systematischen Gesamtverfassung fügen. Nicht mehr 
schlechthin das Einzelding, sondern die Forderung inneren Zu- 
sammenhangs und innerer Widerspruchslosigkeit, die der Gedanke 
stellt, bildet nunmehr das letzte Urbild, an dem wir die „Wahr- 
heit“ unserer Vorstellungen messen. Kraft dieser Forderung zer- 
legt sich das unterschiedslose und gleichförmige „Sein“ der naiven 
Auffassung in getrennte Gebiete, grenzt sich ein Bereich der ech- 
ten, wesentlichen Erkenntnis von dem Umkreis des „Scheinens“ 
und der wandelbaren Meinung ab. Der wissenschaftliche Ver- 
stand ist es, der nunmehr die Bedingungen und Ansprüche seiner 
eigenen Natur zugleich zum Maasse des Seienden macht. Nach 
dem Grund und der Rechtfertigung dieser Ansprüche selbst wird 
hier zunächst nicht gefragt; in voller unbefangener Sicherheit 
schaltet das Denken mit den empirischen Inhalten, bestimmt es 
aus sich heraus die Kriterien und Gesetze, nach denen sie zu 
formen sind. In dieser tätigen Bearbeitung der Objekte tritt all- 
mählich immer deutlicher und bewusster die logischeBestimmung 
und Eigenart der Erkenntnis selbst heraus. 
Dennoch vermag der Gedanke in dieser ersten naiven Selbst- 
gewissheit, so bedeutsam und fruchtbar sie sich ihm erweist, nicht 
zu verharren. Die Kritik, die er an dem Weltbild der unmittel- 
baren Anschauung vollzogen hat, enthält, tiefer gefasst und durch- 
geführt, für ihn selbst ein dringliches und schwieriges Problem. 
Wenn das Erkennen nicht mehr schlechthin das Abbild der kon- 
kreten sinnlichen Wirklichkeit, wenn es eine eigene ursprüng- 
liche Form ist, die es allmählich gegenüber dem Widerspruch 
und dem Widerstand der Einzeltatsachen der Empfindung durch-
	        
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