Full text: Der Produktionsprozeß des Kapitals (1.1928)

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Fünfundzwanzigstes Kapitel. 
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unabhängige Bauern oder gar in Konkurrenten ihrer alten Meister 
auf dem Lohnarbeitsmarkt selbst.“27 Man begreife den Greuell 
Der brave Kapitalist hat seine eigenen leibhaftigen Konkurrenten 
selbst aus Europa für sein eigenes gutes Geld importiert! ‚Da hört 
denn doch alles auf! Kein Wunder, wenn Wakefield klagt über man- 
gelndes Abhängigkeitsverhältnis und Abhängigkeitsgefühl der Lohn- 
arbeiter in den Kolonien. „Wegen der hohen Löhne“, sagt sein 
Schüler Merivale, „existiert in den Kolonien der leidenschaftliche 
Drang nach wohlfeilerer und unterwürfigerer Arbeit, nach einer 
Klasse, welcher der Kapitalist die Bedingungen diktieren kann, statt 
sie von ihr diktiert zu erhalten. . .. In altzivilisierten Ländern ist 
der Arbeiter, obgleich frei, naturgesetzlich abhängig vom Kapitalisten, 
in Kolonien muß diese Abhängigkeit durch künstliche. Mittel ge- 
schaffen werden.“268 
Was ist nun, nach Wakefield, die Folge dieses Mißstandes in 
den Kolonien? Eine „in die Barbarei zurückführende Tendenz der 
Zerstreuung“ der Produzenten und des Nationalvermögens.?®* Die 
Zersplitterung der Produktionsmittel unter unzählige, selbstwirt- 
schaftende Eigentümer vernichtet mit der Zentralisation des Kapitals 
alle Grundlage kombinierter Arbeit. Jedes langatmige Unternehmen. 
267 Ebenda, Bd. II, S. 5. . 
268 Merivale: „Lectures on Colonization and Colonies. London 1841 and 
1842“, vol. IT, p. 235—8314 passim. Selbst der sanfte, freihändlerische Vulgär- 
5konom Molinari sagt: „In den Kolonien, wo die Sklaverei abgeschafft wurde, 
ohne daß die Zwangsarbeit durch eine entsprechende Menge freier Arbeit 
ersetzt worden wäre, hat man das Gegenstück der Tatsache auftreten ge- 
sehen, die sich Tag für Tag unter unsern Augen abspielt. . Man hat gesehen, 
wie die simplen Arbeiter ihrerseits die industriellen Unternehmer ausbeuten, 
wie sie von ihnen Löhne verlangen, die außer allem Verhältnis stehen zu dem 
legitimen Anteil, der ihnen an dem Produkt zukäme. Da die Pflanzer nicht 
imstande waren, für ihren Zucker einen Preis zu erzielen, der die Steige- 
rung der Löhne hätte wettmachen können, waren sie gezwungen, den Ausfall 
zuerst aus ihren Profiten, später aus ihren Kapitalien selbst zu decken. Eine 
Menge von Pflanzern wurde auf diese Weise ruiniert, andere haben ihre 
Betriebe eingestellt, um dem drohenden Ruin zu entgehen. Ohne Zweifel ist 
es besser, Kapitalanhäufungen zugrunde gehen zu sehen als Generationen 
von Menschen (wie großmütig von dem Herrn Molinaril) ; aber wäre es nicht 
besser, wenn weder die einen noch die andern zugrunde gingen?“ (Molinari: 
„Etudes Economiques, Paris 1846“, p. 51, 52.) Herr Molinari, Herr Molinari! 
Was wird denn aus den zehn Geboten, aus Moses und den Propheten, aus dem 
Gesetz der Nachirage und Zufuhr, wenn in Europa der Unternehmer dem 
Arbeiter und in Westindien der Arbeiter dem Unternehmer seinen „legitimen 
Anteil“ verkürzen kann? Und was ist gefälligst dieser „legitime Anteil“, den 
nach Ihrem Geständnis der Kapitalist in Europa täglich nicht zahlt? Den 
Herrn Molinari juckt es gewaltig, dort drüben, in den Kolonien, wo die 
Arbeiter so „simpel“ sind, den Kapitalisten „auszubeuten“, das sonst auto- 
matisch wirkende Gesetz der Nachfrage und Zufuhr polizeilich in den rich- 
tigen Gang zu setzen. 
260 Wakefield: „England and America. London 1838“, vol. IL, nD.52.
	        
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