Full text: Der Produktionsprozeß des Kapitals (1.1928)

Erster Abschnitt. 
sich. daher wechselseitig als Privateigentümer anerkennen. Dies 
Rechtsverhältnis, dessen Form der Vertrag ist, ob nun gesetzlich ent- 
wickelt oder nicht, ist ein Willensverhältnis, worin sich das öko- 
nomische Verhältnis widerspiegelt. Der Inhalt dieses Rechts- oder 
Willensverhältnisses ist durch das ökonomische Verhältnis selbst 
gegeben. Die Personen existieren hier nur für einander als Re- 
präsentanten von Ware und daher als Warenbesitzer. Wir werden 
überhaupt im Fortgang der Entwicklung finden, daß die öko- 
nomischen Charaktermasken der Personen nur die Personifikationen 
der ökonomischen Verhältnisse sind, als deren Träger sie sich 
gegenübertreten. 
Was den Warenbesitzer namentlich von der Ware unterscheidet, 
ist der Umstand, daß ihr jeder andere Warenkörper nur als Er- 
scheinungsform ihres eigenen Wertes gilt. Geborener Leveller 
[Gleichmacher] und Zyniker steht sie daher stets auf dem Sprunge, 
mit jeder andern Ware, sei selbe auch ausgestattet mit mehr Unan- 
aehmlichkeiten als Maritorne, nicht nur die Seele, sondern den Leib 
zu wechseln. Diesen der Ware mangelnden Sinn für das Konkrete 
des Warenkörpers ergänzt der Warenbesitzer durch seine eigenen 
fünf und mehr Sinne. Seine Ware hat für ihnen keinen unmittelbaren 
Gebrauchswert. Sonst führte er sie nicht zu Markt. Sie hat Ge- 
brauchswert für andere. Für ihn hat sie unmittelbar nur den 
Gebrauchswert Träger von Tauschwert und so Tauschmittel zu 
sein.®® Darum will er sie veräußern für Ware, deren Gebrauchs- 
38 Proudhon schöpft erst sein Ideal der justice Gternelle [der 
awigen Gerechtigkeit] aus den der Warenproduktion entsprechenden 
Rechtsverhältnissen, wodurch, nebenbei bemerkt, auch der für alle Spieß- 
dürger so tröstliche Beweis geliefert wird, daß die Form der Waren- 
produktion ebenso ewig ist wie die Gerechtigkeit. Dann umgekehrt will 
er die wirkliche Warenproduktion und das ihr entsprechende wirkliche 
Recht diesem Ideal gemäß ummodeln. Was würde man von einem Chemiker 
denken, der, statt die wirklichen Gesetze des Stoffwechsels zu studieren 
und auf Basis derselben bestimmte Aufgaben zu lösen, den Stoffwechsel 
durch die „ewigen Ideen“ der „naturalite“ und der „affinite“ [der „spezifischen 
Eigenschaften“ und der „Verwandtschaften“] ummodeln wollte? Weiß man 
etwa mehr über den „Wucher“, wenn man sagt, er widerspreche der „Justice 
Sternelle“ [ewigen Gerechtigkeit“] und der „equit& &ternelle“ [„ewigen 
Billigkeit“] und der „mutualite& 6ternelle“ [„ewigen Gegenseitigkeit“] und 
andern „vöerites 6ternelles“ [ewigen Wahrheiten“], als die Kirchenväter 
wußten, wenn sie sagten, er widerspreche der „gräce 6ternelle“ [„ewigen 
Gnade“], der „foi 6ternelle“ [„dem ewigen Glauben“], der „volonte eter- 
nelle de dieu“ [„dem ewigen Willen Gottes“]? 
%9 „Denn zweifach ist der Gebrauch jedes Gutes. — Der eine ist dem 
Ding als solchem eigen, der andere nicht, wie einer Sandale zur Beschuhung 
zu dienen und austauschbar zu sein. Beides sind Gebrauchswerte der 
Sandale; denn auch wer die Sandale mit dem ihm Mangelnden, zum Beispiel 
der Nahrung, austauscht, benutzt die Sandale als Sandale, Aber nicht in ihrer 
natürlichen Gebrauchsweise, ‚Denn sie ist nicht da des Austausches wegen.“ 
(Aristoteles: „De Republica“, lib. I, ce. 9.)
	        
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