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deutend langsamer vollziehen; andererseits, inwiefern hier eine
Mannigfaltigkeit der Wirtschaftsformen vorhanden ist, wie sie
der großkapitalistischen Industrie fremd ist, insofern wird auch
die Form des Transformationsprozesses selbst in allen seinen
Phasen von dem Prozeß verschieden sein, den wir in den vorigen
Kapiteln untersuchten.
Nehmen wir zunächst die großkapitalistischen Wirtschaften.
Hier erinnert der Prozeß des Zerreißens der Bindungen am
meisten an das, was sich in der Industrie vollzieht. Jedoch mit
einigen Modifikationen. Erstens vollzieht er sich hier langsamer
als in der Stadt, Dies geschieht daher, weil in der Landwirt
schaft, wo die Verbrauchsmittel an Ort und Stelle erzeugt werden,
der Unterkonsum der Arbeiterklasse nicht in so krasser Form
in Erscheinung tritt. Das System der partiellen Naturalbezahlung
sichert faktisch die Reproduktion der Arbeitskraft, und folglich
ist die Stimulanz für die Auflösung der Bindungen zwischen den
Personenelementen des Systems bedeutend geringer. Zweitens
ist das Proletariat hier lange nicht so „geschult“ durch den
Mechanismus des kapitalistischen Produktionsprozesses, Seine
Zusammensetzung (halbbäuerliche Elemente), die Arbeitsmetho
den (der Saisoncharakter der Arbeit, eine viel größere räumliche
Getrenntheit im Arbeitsprozeß usw.) — all das hemmt seine
„ideologische Revolutionierung" und die Ausarbeitung eines
„revolutionären Arbeitsplans“, Diese Faktoren verzögern jedoch
nur die allgemeine Entwicklungslinie, aber negieren sie nicht,
*
Der Einfluß der' Stadt und der Organisationen des Industrie
proletariats gibt den äußeren Anstoß zur Steigerung des sich
selbständig entwickelnden Prozesses, und letzten Endes ist der
Bruch in den kapitalistischen Produktionsverhältnissen unver
meidlich, ein Bruch, der sich in derselben Richtung vollzieht wie
der in der Industrie.*) ■>
*j Karl Kautsky schreibt in seinem Büchlein: „Die Sozialisierung der
Landwirtschaft" (Berlin, 1919): „Die Revolution in den Städten ist an den