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Leben und
Werke.
Seine Lehre.
regten sich doch auch Bedenken nicht nur gegen einzelne Ausführungen,
sondern auch gegen die Grundlage des ganzen Freihandelssystems; und
wir haben im Folgenden diesen prinzipiellen Gegensatz in seiner Entwickelung
während des 19. Jahrhunderts zu verfolgen. Hierbei sind
zwei Richtungen zu unterscheiden. Die eine acceptiert die Grundlagen
les modernen Staates, unserer sozialen Ordnung und infolgedessen auch
ınserer Volkswirtschaft als unantastbar, der Natur des Menschen
zonform und hält nur, von dieser Basis ausgehend, Modifikationen zur
Besserung der Verhältnisse für notwendig. Die zweite Richtung dazegen
erkennt bereits die Basis nicht für berechtigt an, sondern bekämpft
sie als unnatürlich, nur durch die herrschende Klasse zu ihrem
3igenen Vorteil künstlich so gestaltet, die daher von unten auf zu
revolutionieren sei. Diese letztere ist bekanntlich die kommunistische,
lie ältere sozialistische und schließlich die anarchistische Richtung.
Wir haben dann schließlich die dritte oder vermittelnde Richtung zu
betrachten, die man auch die modern-realistische genannt hat, welche
zwischen den Extremen zu vermitteln sucht; und während die früheren
nationalökonomischen Systeme auf französischem und englischem Boden
arwachsen sind, ist der Ursprung dieser letzteren auf deutschem Boden
zu suchen.
Einer der ersten und bedeutsamsten Kritiker des Smithianismus
war Simonde de Sismondi; 1773 in Genf als Sohn eines protestantischen
Geistlichen geboren, gestorben 1842. Obgleich zum Kaufnannsstande
bestimmt, gewährte man ihm eine gründliche klassische
Schulbildung und ließ ihn auch die Universität besuchen. Er lebte
längere Zeit in Frankreich, dann, von dort durch die Revolution vertrieben,
in England und Toskana und reiste als Begleiter der Frau
von Sta&8&l durch Deutschland und Italien. Er trat auch vorüberzehend
als Handelskammersekretär in seiner Vaterstadt in den prakischen
Dienst und hatte so Gelegenheit, in dem Leben selbst unter
len verschiedensten Verhältnissen gründliche Studien zu machen, und
ar benutzte diese Gelegenheit in reichlichem Maße. Eine ihm an
der Sorbonne angetragene Professur schlug er aus, um seine schriftstellerische
Thätigkeit nicht zu unterbrechen. Sein hanptsächlichstes
Werk erschien in Paris 1819 unter dem Titel: „Nouveaux principes
V’economie politique ou de la richesse dans ses rapports avec la popuation.“
2 Bde. Die zweite Auflage erschien 1827,
Ursprünglich völlig eingenommen von dem Adam Smithschen
Werk wurde er durch die Beobachtungen der Zeitverhältnisse gegen die
Wahrheit der Lehre mißtrauisch. Wie er selbst ausspricht, war es die
Beobachtung der großen Krisis in England nach den Napoleonischen
Kriegen 1814, die ihn bedenklich gegen das Freihandelssystem machte,
anter welchem in so extremer Weise eine Ueberproduktion, damit Bankerotte
und Not und Elend der Arbeiterklasse ermöglicht waren. In der
Gebundenheit der alten Produktionsverhältnisse war allerdings nicht der
Aufschwung möglich, wie er sich zu einer Zeit in England zeigte, aber
zuch nicht der grausame Rückschlag, wie er 1815 und dann wieder
1825 zu beobachten war, Es wird ihm zweifelhaft, ob die Förderung
ler Produktion in dieser völligen Ungebundenheit die schlimmen
Folgen aufzuwiegen vermag. Er wirft Adam Smith vor, allein
die Entwickelung der Produktion im Auge gehabt zu haben, ohne zu
untersuchen, welche Wirkung dieselbe auf die Bevölkerung habe, ob
sie auch eine entsprechende Förderung des Wohlseins in sich schließe.