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den Rechnungsbüchern seiner Wirtschaft auf Tellow entnimmt. Wo ihm
solche Unterlagen fehlen, setzt er Buchstaben an Stelle der Zahlen und
führt damit seine Berechnungen durch.
Wie es der Titel besagt, stellt er sich in seinem größeren Werke
die Aufgabe, den Einfluß zunächst der Getreidepreise auf den land-
wirtschaftlichen Betrieb festzustellen. Hierzu stellt er sich einen durch
eine Wüste von der Welt abgeschlossenen isolierten Staat vor, in dem
alle natürlichen und volkswirtschaftlichen Verhältnisse als völlig gleich
angenommen werden und nun die Wirkung eines einzigen Momentes
unter verschiedenen Modifikationen mathematisch berechnet werden
kann. So verfolgt er hier den Einfluß der Verschiedenheit der Preise,
welche der Landwirt in verschiedenen Entfernungen von der im Zentrum
gelegenen Stadt erhält, auf die Wirtschaftssysteme. Dabei legt er die
Produktions- wie die Transportkosten in Tellow und in: der Umgegend
zu Grunde. Er kommt zu dem Ergebnisse, daß der Landwirt ge-
zwungen ist, will er den höchsten Reinertrag erlangen, je nach der Ent-
fernung ein ganz verschiedenes Wirtschaftssystem zur Anwendung zu
bringen. Je entlegener der Grund und Boden ist, um so extensiver
muß gewirtschaftet werden; in der nächsten Umgebung erzielt man
dagegen durch den intensivsten Betrieb den höchsten Reinertrag. So
bilden sich um die Stadt die verschiedensten Th ünen schen Kreise,
die wir im zweiten Teile ausführlicher zu behandeln haben. Ebenso
stellt er die Bestimmung der Getreidepreise durch die Beschaffungs-
kosten aus den entlegensten Gegenden fest, die noch zur Lieferung
des Bedarfs der Stadt herangezogen werden, da deren Produktions-
und Transportkosten gedeckt werden müssen.
Weit klarer und einfacher wie bei Ricardo tritt in Thünens
isoliertem Staate ferner die Entstehung der Grundrente zu Tage, indem
die näher gelegenen Ländereien, die die gleichen Preise in der: Stadt
erhalten wie die entfernten, bei den geringeren Transportkosten einen
Ueberschuß über die gesamten Unkosten erlangen, welcher die Grund-
rente bildet. Die Wirkung einer Grundsteuer, welche das ganze Land
oder nur einen Teil desselben trifft, läßt sich in dem isolierten Staate
ebenso nachweisen wie die eines gesteigerten Arbeitslohnes. Die Wir-
kung der Verbesserung der Kommunikationsmittel, welche die Thünen-
schen Kreise vollständig verschiebt, ist durch nichts so klar zu er-
kennen als durch den Thünenschen Weg; ebenso die Bedeutung
ainer Verarbeitung der landwirtschaftlichen Produkte, durch welche sie
eine größere Transporttähigkeit gewinnen.
Weitgehenden Einfluß hat seine Lehre von der Bestimmung der
Höhe des Kapitalzinses und des Arbeitslohnes gewonnen. Der erstere
wird nach ihm bestimmt durch die Nutzung des zuletzt angelegten
Kapitalteiles, der Letztere durch das Mehrerzeugnis, welches der zur
Erweiterung des Betriebes zuletzt angestellte Arbeiter liefert. Denn
solange wird, nach ihm, die Ausdehnung des Betriebes fortgesetzt
werden, als ein Ueberschuß über den Zins, der für das verwendete
Kapital gezahlt werden muß, erzielt wird. Und ebenso wird so lange
mit der Anstellung neuer Arbeiter vorgegangen, bis der zuletzt heran-
gezogene einen Ueberschuß nicht liefert, und dieser letzte Ertrag bildet
auch die Grenze für den zu zahlenden Arbeitslohn mit rückwirkender
Kraft auf die Gesamtheit der Arbeiter. Unzweifelhaft finden wir in
dieser ganzen Lehre den Ausgangspunkt für die neuausgebaute Grenz-