Full text: Statische oder dynamische Zinstheorie?

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lichkeit geben soll, zeitraubende Produktionsumwege . einzu- 
schlagen — der Ausdruck „Warten“ bezeichnet hier also eine 
rein technische Tatsache im Gegensatz zur subjektiven Er- 
scheinung der Abstinenz, die von Cassel auch mit „Warten‘“‘ 
bezeichnet wird — ist erfüllt, sobald die Genußgüter an Arbeiter, 
Grundherren und allenfalls auch Kapitalisten übergegangen 
sind. Die Kapitaldisposition existiert nicht mehr, genau wie 
für Schumpeter der Unternehmer kein Kapital mehr besitzt, 
wenn er mit der vom Bankier erhaltenen zusätzlichen Kaufkraft 
Produktivmittel erworben hat. Wenn der Unternehmer trotz- 
dem noch von „seinem Kapital‘ spricht, so denkt er elliptisch*). 
Das gilt auch für unseren Fall. Cassels Kapitaldisposition, in 
der obigen Auslegung, steht also mit den Tatsachen im Wider- 
spruch und führt daher auch zu einer Zinstheorie, die mit den 
Tatsachen unvereinbar ist, nämlich zur Nutzungstheorie in 
der Mengerschen Fassung?). Gegen die Nutzungstheorie 
Cassels — der Zins ist der Preis für die Kapitaldisposition, 
für die Verfügung über eine gewisse Genußgütermenge während 
einer gewissen Zeit zwecks Erwerbs von Realkapital — ist 
daher neben dem gegen Menger gerichteten Argumente Böhm- 
Bawerks, daß es hier fraglich erscheint, ob das Verhältnis 
zu einem Gute ein besonderes Objekt, ein besonderes Gut ist®), 
noch einzuwenden, daß die Verfügung über die fragliche Genuß- 
gütermenge nur kurze Zeit besteht, jedenfalls nicht während 
der ganzen Zeit, für die Zins gezahlt wird und daher die ‚Ver- 
fügung‘“ gar nicht als Objekt der Zinszahlung in Frage kommen 
kann — ein Einwand, der letzten Endes die Übernahme des von 
Böhm-Bawerk gegen die Say-Hermannsche Auffassung 
der Nutzung als einen besonderen „Gebrauch“, der dauernd 
neben den im Darlehen übertragenen verbrauchlichen Gütern 
bestehen soll, gerichteten Argumentes, daß die zurückgegebenen 
Güter andere als die hingegebenen sind, die hingegebenen Güter 
also nicht genutzt, sondern verbraucht werden‘), auf die 
Nutzungstheorie in der Mengerschen, genauer in der Cassel- 
schen Fassung: bedeutet. 
a 1) Schumpeter, Entwicklung, S. 169, 172, 
') Cassel, Nature, S. 48. 
) Böhm-Bawerk, Geschichte und Kritik, S.232ff. *)ebda., S. 196/232, 
Böhm-Bawerk, Posit. Theorie, S. 364/372.
	        
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