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liche Menge von Kapitaldisposition wird durch den Kapital-
wert und dieser wieder eben durch den Zinsfuß bestimmt. Wer
das Gut einmal besitzt, der besitzt eo ipso auch das Kapital,
welches zur Abwartung der Dienste des Gutes nötig ist. Wenn
ein anderer das Gut kauft, könnte es scheinen, als ob er dem
Markte Kapitaldisposition entzöge, indem er ein bestimmtes
Kapital im Kauf des Gutes hindet . .., Dies ist natürlich
unrichtig. Denn dem Verkäufer wird eben dieselbe Kapital-
summe freigestellt, die der Käufer bindet. Die Kapitaldisposi-
tion, die durch das Gut gebunden ist, ist also immer im jeweiligen
Kapitalwert des Gutes gegeben. Der Besitz des Gutes stellt
also keine besonderen Ansprüche. auf den Markt für Kapitale
disposition und kann folglich auch keinen Einfluß auf den Zins-
fuß ausüben“ 1).
Auf der einen Seite erfordert das Abwarten der Nutzungen
des Grund und Bodens also eine Kapitaldisposition, das andere
Mal stellt jedoch derselbe Vorgang keinen Anspruch an den
Markt für Kapitaldisposition. Man sieht leicht, wie der Wider-
spruch entsteht. Im ersten Falle kommt die oben angeführte
weitere Fassung des Kapitalbegriffes zur Anwendung, wonach
der Grund und Boden, der einen bestimmten Wert hat und des-
halb beim Kauf die Festlegung einer abstrakten Wertsumme
erfordert, Kapitaldisposition in Anspruch nimmt. Im zweiten
Falle ist dagegen der Kapitalbegriff enger gefaßt. Unter Kapital-
disposition ist hier die Verfügung über Genußgüter zu verstehen;
mit deren Hilfe man die Verfügung über Realkapital erlangt.
Es ist dann klar, daß Naturboden, der nicht produziert wird,
an den Markt für Kapitaldisposition keine Ansprüche stellt,
Diese letztere Definition des Kapitals wird also auf keinen
Fall von Böhm-Bawerks Einwänden gegen die abstrakten
Kapitalbegriffe getroffen. Die Träger der Kapitalfunktion
sind für Cassel nicht irgendwelche abstrakte Wertsummen,
sondern Genußgüter.
Daß diese Auslegung, die wir der Casselschen Kapital-
disposition geben, nicht aus der Luft gegriffen ist, geht schon
aus der Stellung Cassels zu Böhm-Bawerks drei Gründen
1) Cassel. Theorie, S. 194.