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will doch allgemein gelten, sie wird mit Hilfe der Statik in der
Fassung, wie sie bei Cassel und auch bei Böhm-Bawerk
vorliegt, gewonnen, und Schumpeter leugnet bekanntlich
hier das Vorhandensein des ersten Grundes nicht und über den
zweiten Grund läßt sich eben streiten.
Wenn man Schumpeters „Wesen“ studiert, so kann es allerdings
so scheinen, als ob man nach Schumpeters Ansicht mit Hilfe der statischen
Prämisse ebenfalls nur dann zu brauchbaren Resultaten gelangen kann,
wenn man wie Kromphardt verfährt, indem man von vornherein die
Produktionsperioden ausschaltet, also annimmt, daß die Produktions-
umwege in der Statik sehr klein sind. Schumpeter äußert nämlich an
einer Stelle, daß Böhm-Bawerks auf dem dritten Grunde aufgebaute
Zinstheorie nicht statisch sei, da sie auf den Zeitablauf, auf lange Perioden
Gewicht lege (Schumpeter, Wesen, 5, 412), die Statik aber, wie er oft
wiederholt, nur für den Augenblick, nur für kurze Perioden „gilt‘ (Schum-
peter, Wesen, S. 127/28, 397, 460/61). Unseres Erachtens liegt hier eine
dialektische Täuschung vor. Wenn die Statik nur für den Augenblick
„gilt“, d. h. wenn sie nur für eine kurze Periode ein genaues Bild der Wirk-
lichkeit gibt, da sich hier ständig alles ändert, so ist doch deswegen nicht
lie Annahme nötig, daß in der statischen Wirtschaft nur in ganz kurzen
Perioden, eben in solchen Perioden, für die die Statik „gilt“, produziert
wird, Da der Mensch nur räumlich denken kann, so stellt sich auch Schum-
peter, wie wir oben zeigten, die statische Wirtschaft als eine stationäre
Wirtschaft vor. Und man kann sich doch dann auch vorstellen, daß in
lieser stationären Wirtschaft in weitausholenden Umwegen produziert
wird, und versuchen, genereile Aussagen über den Einfluß dieser Tatsache
auf die Verteilung des Sozialproduktes in einer solchen Wirtschaft zu
machen. Daß man dann, wenn man die statische Methode auf konkrete
Fälle anwendet, nur exakte Aussagen für kurze Perioden und deshalb
auch nur für einen Ausschnitt aus einer solchen langen Produktionsperiode
solche liefern kann, steht doch auf einem ganz anderen Blatt; denn das
Problem, um das es sich bei der vorliegenden Kontroverse handelt, ist
doch, ob sich der Zins in einer im Gleichgewicht gedachten Wirtschaft
zeigen muß oder nicht, nicht aber, ob man über alle die Veränderungen,
die während der Durchführung eines Produktionsprozesses von bestimmter
Länge eintreten, im voraus exakte Aussagen machen kann.
Natürlich steht es mir frei, wie wir bereits oben erwähnten (vgl.
oben S. 41 Anm. 1), was ich als Statik bezeichne. Wenn Cassel zuerst
das Zeitmoment nicht berücksichtigt — und auch Böhm-Bawerk tut
das (vgl. Böhm-Bawerk, Positive Theorie, S, 315/17) — so kann man auch
diesen Abstraktionsgrad mit der Bezeichnung Statik belegen. Aber für
die materiellen Probleme ist damit nichts gewonnen, es ist damit nicht
gesagt, daß in einer im Gleichgewicht befindlichen Wirtschaft, in der auf
zeitraubenden Produktionsumwegen produziert wird, die Zinserschei-
nung fehlt.