Full text : Frédéric Le Play in seiner Bedeutung für die Entwicklung der sozialwissenschaftlichen Methode

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Le  Play  fühlte,  wie  wir  sehen,  von  Anfang  an,  wo  die  größten
Hindernisse  der  wissenschaftlichen  Objektivität  zu  suchen  waren.
Aber  diese  Erkenntnis  war  nicht  nachhaltig  genug.  Er  fährt  fort:
Glücklicherweise  hielt  ich  mich  vor  dieser  Schwierigkeit  nicht  lange  auf.
Er  glaubte  sie  dadurch  zu  überwinden,  daß  er  sich  genau  an  die
Anweisung  eines  seiner  Lehrer  hielt,  der  ihm  jenes  untrügliche  Kriterium ­
  des  Wahren  und  Falschen  gegeben  hatte.  Folgendermaßen
glaubte  Le  Play  inmitten  all  der  falschen  Meinungen,  die  ihn
während  der  Anfänge  seiner  sozialen  Forschungen  umgaben,  das
Wahre  vom  Falschen  unterscheiden  zu  können:
Ich  brauchte  nur  die  Praxis  der  „Sozialen  Autoritäten“  zu  beobachten,  die
mir  von  meinem  Lehrer  gekennzeichnet  worden  -waren,  und  die  am  häuslichen
Herd  und  an  der  Arbeitsstätte  sich  die  Zuneigung  und  den  Eespekt  ihrer
Untergebenen  bewahrt  haben.
Also  wieder  der  alte  Zirkelschluß.  Doch  er  bemerkte  abermals,
daß  die  methode  d’observation  in  der  Sozialwissenschaft  nicht  so  rasch
zu  Erfolgen  führte  wie  in  den  Naturwissenschaften.  Unter  der
gleichen  Religion  und  Staatsform  wurde  das  eine  Volk  glücklich,
das  andere  unglücklich.  Mit  anderen  Worten:  Le  Play  bemerkte,
daß  die  differenzierenden  Momente  im  Völkerleben  doch
zahlreicher  sind,  als  er  angenommen  hatte.  Er  unterschied  von  jetzt
an  außer  den  unveränderlichen  Elementen  jeder  sozialen  Konstitution
„Beobachtung  des  Sittengesetzes“  und  „Sicherung  des  täglichen
Brotes“,  noch  weitere  variable  Elemente.  Aber  die  Tragweite
der  letzteren  suchte  er  nicht  zu  ermitteln,  und  hinsichtlich  der
ersteren  hielt  er  fest  an  den  einfachen,  schematischen  Vorstellungen,
die  ihm  von  Jugend  auf  in  Fleisch  und  Blut  übergegangen  waren.
Voraussetzungen  und  Vorurteile  als  innere  Hemmungen.
Le  Play  war  im  Irrtum,  wenn  er  glaubte,  daß  er  durch  den  engsten
Anschluß  an  die  „Sozialen  Autoritäten“  die  Einflüsse  seiner  Erziehung ­
  ausschalten  könnte.  Sie  sind  in  Wahrheit  immer  vorhanden
gewesen  und  nie  ganz  zurückgedrängt  worden.  Als  Le  Play  im
Jahre  1824  seine  Studien  in  Paris  begann,  betrachtete  er  die  politischen ­
  wie  die  sozialen  Verhältnisse  Frankreichs  nicht  mit  unbefangenem ­
  Auge.  Er  hatte  gar  nicht  die  Absicht,  zu  prüfen,  welche
guten  und  welche  schlimmen  Folgen  die  Umgestaltung  der  Dinge
seit  1789  gehabt  hatten;  er  sah  in  der  Revolution  nur  das  Wirken
„falscher  Ideen“,  „falscher  Dogmen“,  die  das  Verschwinden  der
alten  nationalen  Tradition  verschuldet,  teilweise  sogar  ihre  Kenntnis
            
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