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III. Kapitel.
gestellten Anforderungen entsprechen. Auch könnte die Bank die Konto
inhaber ersuchen, sich zu gedulden bis diese Wertpapiere in Bargeld umgesetzt
worden sind 1 ).
Da eine Bank keinen dieser Wege einschlagen kann, so sucht sie bei
einer bevorstehenden Unzulänglichkeit an Barmitteln einer solchen Ver
mögenslage durch,,Kündigung“ einiger Darlehen zuvorzukommen oder, wenn
deren rasche Einziehung nicht möglich ist, durch den Verkauf von Wert
papieren oder anderem Besitztum gegen Bargeld. Leider ist aber dem Bar
geldbetrage, der von einer Bank ohne weiteres realisiert werden kann, eine
Grenze gesetzt. Keine einzige Bank könnte der Zahlungseinstellung ent
gehen, wenn ein großer Prozentsatz ihrer Noteninhaber und Deponenten
gleichzeitig Barzahlung fordern würde * 2 ). Das Paradoxon einer Panik
findet in dem Falle den richtigen Ausdruck, wo sich ein Mann bei seiner Bank
erkundigt, ob sie zur Auszahlung seines Deposits verfügbares Bargeld habe,
indem er erklärt: „Wenn Sie mich bezahlen können, so brauche ich es nicht;
wenn Sie es aber nicht können, so brauche ich es!“ Dies war die Situation
in Wall Street im Jahre 1907. Alle Deponenten wollten zu ein und derselben
Zeit die Gewißheit haben, daß ihr Geld „da sei“. Aber alles Geld ist zu
ein und derselben Zeit niemals da.
Wenn also die Unzulänglichkeit an Barmitteln eine so beunruhigende
Lage schafft — so schwierig zu beseitigen, wenn sie eingetroffen, und
so schwierig ihr zuvorzukommen, wenn sie sich zu nähern beginnt — so muß
eine Bank ihre Darlehen und ihre Ausgabe von Noten derart regulieren,
daß ihr stets eine genügende Barreserve zur Verfügung steht, um auch schon
das bloße Drohen einer Unzulänglichkeit an Barmitteln zu verhüten. Sie
kann die Reserve abwechselnd durch den Verkauf von Wertpapieren gegen
Bar und durch das Darleihen von Bar auf Wertpapiere regulieren. Je
größer die Zahl der Darlehen im Verhältnis zu dem verfügbaren Barbestand,
desto größer ist der Gewinn und somit auch das Risiko. Auf die Dauer
erhält eine Bank ihre Reserven durch die Anpassung des für die Darlehen
festgesetzten Zinsfußes. Wenn die Bank nur wenige Darlehen und eine
genügend große Reserve besitzt, um Darlehen von bedeutend größerem
Umfange zu tragen, so trachtet die Bank, durch Herabsetzung des Zins
fußes ihre Darlehen zu erweitern. Wenn die Darleihen der Bank eine
Höhe erreichen, die befürchten läßt, daß die Anforderungen an die Reserve
B Siehe Irving Fisher, The Nature of Capital and Income, V. Kapitel.
2 ) Vgl. Ricardo, Wortes, 2. Aufl., London (Murray), 1852, S. 217 (Principles of poli-
tical economy and taxation, XXVII. Kapitel).