Full text: Inkassotarif für Asien, Afrika und Australien

Der Solidarismus bei Charles Gide 
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Wir wollen die Darstellung von Grides volkswirtschaft 
lichen Anschauungen nicht weiter verfolgen ; das Gesagte genügt, 
um uns über alles Wesentliche zu unterrichten. Gide schreibt 
eine leichtflüssige, konkrete, geistreiche Sprache; seine Werke 
verdanken ihre große Verbreitung und Beliebtheit nicht zum 
wenigsten der schriftstellerischen Begabung des Verfassers. Ein 
Anflug von Selbstironie eignet allem, was aus seiner Feder fließt. 
Er berührt aber nur leicht die Oberfläche; tiefe und starke 
Überzeugungen bleiben darunter erkennbar. Gide schreibt ein 
mal bezüglich der Rolle, die die historische Methode bei den 
Nationalökonomen der französischen Rechtsfakultäten spielt : 
„Der Geschmack für Aktualität, der in Frankreich vielleicht 
etwas zu sehr entwickelt ist, ist nicht mit der realistischen und 
noch weniger mit der historischen Methode der deutschen Schule 
zu verwechseln. Die Aktualisten unter den Nationalökonomen 
widmen sich nicht der Geduldarbeit, die Gegenwart durch die 
Vergangenheit zu erklären. Der französische Volkswirt erforscht 
die Einrichtungen der Gegenwart und Vergangenheit nicht, um 
sie in ihrer zeitlichen und örtlichen Bedingtheit zu verstehen, 
sondern um sie zum Angriff auf die bestehende Wirtschafts 
ordnung, oder zu deren Verteidigung zu benützen“ x ). Bei der 
Lektüre von Gides Schriften wÿd man manchmal versucht 
sein, dieses Urteil für eine Selbstkritik zu halten. 
Der Einfluß der Soziologen auf Gide ist ein großer. Er 
ist zunächst einer der wenigen Nationalökonomen (und Sozio 
logen), welche Auguste Comte gelesen haben ; wenn er in den Fall 
durch den Wind vom Meer her gepflügt wurden, ihren glücklichen Besitzern 
Vermögen einbrachten am Tage, wo man zufällig entdeckte, daß Wein stocke 
darin vom Phylloxera unberührt gediehen; daß die Bauplätze in den großen 
Städten, wo nie ein Pflug gewesen, unendlich hohem Wert haben, als die best 
bebauten Ländereien usw. 
ad 2. Kanal- und Eisenbahnbauten beruhen nur auf Konzessionen für 
99 Jahre; ist es denn nötig, daß die Inanbaunahme des Bodens, die geringere 
Kapital- und Arbeitsinvestition benötigt, auf ewigen Rechten beruhe? Gewiß 
sind der Boden und seine natürlichen Eigenschaften von unbegrenzter Dauer; 
aber die hineingesteckte Arbeit wirkt nur eine beschränkte Zeit. Darum kann 
man denn auch nicht sagen, die Natur des Objektes verlange eine unbegrenzte 
Aneignung. Gide, Cours d’Econ. polit., p. 527 if. 
b Ch. Gide, L’Ecole économique française dans ses rapports avec l’Ecole 
anglaise et l’Ecole allemande, in Festgaben zu Schmollers 70. Geburtstage, 
XVI, p. 22.
	        
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