fullscreen : Der Salzhandel, die Salinen und Salzbergwerke Württembergs im 19. Jahrhundert

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versuche  ihren  Anfang,  die  dem  Lande  bis  dahin  ungehobene  Bodenschätze  von
hohem  Werte  erschlossen.  So  bieten  die  großen  Steinsalzlager  Württembergs
dem  Lande  eine  gewisse  Entschädigung  für  den  Mangel  brauchbarer  Kohlenlagerstätten. ­
  Alle  die  ebenso  zahlreichen,  wie  kostspieligen  Bohrversuche  auf  Kohle,
die  Staat  und  Private  unternommen  haben,  sind  bis  auf  den  heutigen  Tag  ergebnislos ­
  geblieben.  Die  geologische  Formation  Württembergs  läßt  auch  für
die  Zukunft  nur  wenig  Hoffnung  auf  das  Erschließen  von  Steinkohlen-  oder
Braunkohlenlagern.
Die  heutige  Württembergische  Salz-Großindustrie  ist  ihrer  geschichtlichen
Entwicklung  nach  in  der  Hauptsache  ein  Werk  des  Staates,  eine  von  Regierung
und  Parlament  geschaffene  Industrie.  Den  eigentlichen  Ausgangspunkt  dieser
Entwicklung  bildet  das  grundlegende  Salz-Mouopolgesetz  vom  14.  Dez.  1807,
welches  König  Friedrich  I.  von  Württemberg  im  Interesse  seines  Landes  erließ
und  das  ganz  die  Grundsätze  des  Merkantilismus  bekundete.  Nicht  ohne  Interesse ­
  ist  es  sich  zu  erinnern,  daß  das  Vorgehen  Württembergs  zu  Anfang  des
19.  Jahrhunderts  ans  dem  Gebiete  der  Salzgewinnung  mittelbar  den  Anstoß
gab,  daß  auch  die  benachbarten  deutschen  Salzindnstrien  teilweise  in  ein  neues
Stadium  der  Entwicklung  traten.  Der  1812  begonnene  und  1816  erfolgreich
gewordene  Bohrversuch  auf  Salz  bei  Friedrichshall  auf  württembergischem  Gebiet ­
  veranlaßte  Hessen  zu  gleichen  Versuchen,  die  in  der  Tat  1818  zur  Gründung ­
  der  Saline  Ludwigshall  bei  Wimpfen  führten,  eine  Saline,  die  heute  noch
im  Betrieb  und  Besitz  des  hessischen  Staates  ist.  Dem  Vorgehen  Württembergs
folgten  ferner  bald  die  thüringischen  Staaten;  so  wurde  1823  zu  Busleben  in
Sachseu-Koburg-Gotha  Steinsalz  erbohrt,  ferner  1828  zu  Stotternheim  in
Sachsen-Weimar-Eisenach  und  1831  im  Fürstentum  Reuß  j.  L.  bei  der  Saline
Heinrichshall J ).  Diese  Erfolge  blieben  auf  Norddeutschland  nicht  ohne  Einwirkung,
da  auch  hier  ein  großer  Teil  der  Salinen  mit  sehr  schwachen  Solen  arbeitete,
die  dringend  einer  Verbesserung  bedurften.  Preußen  unternahm  daher  auf
Grund  der  süddeutschen  Anregungen  im  Jahre  1838  einen  Versuch,  auf  der
Staatssaline  zu  Ariern  (Reg.-Bez.  Merseburg,  Prov.  Sachsen)  ein  Bohrloch  unmittelbar ­
  auf  das  Steinsalz  niederzubringen,  welcher  Versuch  von  dem  besten
Erfolge  begleitet  war.  Ermutigt  durch  das  günstige  Ergebnis,  führte  die
preußische  Regierung  im  selben  Jahre  eine  gleiche  Bohrung  bei  der  Saline  zu
Staßfurt  aus,  welche  im  Jahre  1843  den  weltberühmten  Steinsalzbergbau  dortselbst ­
  einleitete.  Hieraus  begann  sich  dann  Ende  der  1850  er  Jahre  die  für  die
deutsche  Volkswirtschaft  so  viel  bedeutende  Kaliindustrie  zu  entwickeln.  So  ist
das  zu  Anfang  des  19.  Jahrhunderts  auf  dem  Gebiete  des  Salzbergbaues  und
Salinenwesens  erfolgte  Vorgehen  Württembergs  bis  zu  einem  gewissen  Grade
mittelbar  grundlegend  für  die  Entwicklung  der  deutschen  Salzindustrie  geworden
und  es  wird  nun  im  folgenden  unsere  Aufgabe  sein,  die  wirtschaftliche  und  technische ­
  Entwicklung  des  Salinenwesens  und  Salzbergbaues  in  Württemberg  auf
geschichtlicher  Grundlage,  fortgeführt  bis  zur  Gegenwart,  zur  Darstellung  zu  bringen.

1)  v.  Buschmann,  Das  Salz.  I.  Band.  Leipzig  1909.  S.  59.
            
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