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Alle Kenner der Pädagogik bestätigen, daß normal gesunde
Kinder einen starken Geltungs- und Betätigungstrieb zeigen;
dieser darf nicht unnötigerweise unterbunden werden, weil sich
sonst leicht ein Minderwertigkeitsgefühl einstellt, das dem Menschen
auf seinem späteren Lebenswege schwere Nachteile bringen kann,
auch vom Standpunkte der Wirtschaftlichkeitsidee. — Jene Kinder,
die schwachen Willen zeigen, müssen zu größerer Entschlußkraft
befähigt werden, sie müssen dazu angehalten werden, mehr »aus
sich herauszutreten«, sich mehr zur Geltung zu bringen, Eigen-
schaften, auf die es im wirtschaftlichen Leben, wie bekannt, So sehr
ankommt.
Viele Kinder scheinen mit Gedankenlosigkeit oder Zerstreut-
heit geradezu erblich belastet zu sein oder mit großer Vergeßlich-
keit. Hiegegen anzukämpfen, ist eine Hauptaufgabe des Wirtschaft-
lichkeitslehrers, Er muß seine Schüler anleiten, daß sie imstande
sind, ihre Gedanken zu »sammeln«, bei jeder Verrichtung oder Arbeit
aur an das zu Tuende zu denken (»bei der Sache bleiben«). Wie-
viel Zeit gewinnt man dadurch! Wieviel unnütze Arbeit erspart
man dadurch! Hier ist sogar die charakterologische Keimzelle der
vielgenannten »Fließarbeit« (nicht zu verwechseln mit dem bloßen
Fließband, s. später) gegeben, u. zw. im Zusammenhang mit einer
anderen, rationaliter höchst wertvollen Eigenschaft: dem Ordnungs-
sinn. Gedankenlosigkeit, Zerstreutheit sind die Ursache oft bedeuten-
der wirtschaftlicher Nachteile. Hier nur einige wenige Beispiele aus
dem Alltage: Tierquälerei; das Beschädigen der Kulturen auf Aus-
Nügen; das Wegwerfen von Obstschalen und -kernen auf der Straße,
was zu ernsten Unfällen führen kann; das Lösen eines Fahrscheines
bei jedesmaliger Benützung der Straßen- oder Stadtbahn — statt
Vorverkaufskarten zu verwenden (Vorbild des — rationellen — bar-
geldlosen Zahlungsverkehrs); das achtlose Liegenlassen von leeren
Konservenbüchsen, von Knochen usf. auf Touren — weidende
Tiere, welche derartige Überbleibsel verschluckten, sind daran zu-
grunde gegangen. Aber nicht bloß die negative Eigenschaft der Ge-
dankenlosigkeit (Zerstreutheit) ist zu bekämpfen, sondern auch die
positive Eigenschaft der Geistesgegenwart zu entwickeln und zu
stärken. Diese höchst wertvolle Eigenschaft erspart dem Menschen
viele (wirtschaftliche) Verluste und Schäden, die unbedingt vermieden
werden können, also nur irrationaliter eintreten, nicht eintreten müssen.
Geistesgegenwart bietet oft das einzige taugliche Mittel der Rettung