Full text: Hansische Beiträge zur deutschen Wirtschaftsgeschichte

IV. 
AUSSENPOLITISCHE UND INNERPOLITISCHE 
WANDLUNGEN IN DER HANSE NACH DEM 
STRALSUNDER FRIEDEN (1370) 
Als!) im Mai des Jahres 1370 der Stralsunder Friede den Kampf der Städte 
mit Waldemar von Dänemark abschloß, da war ein Höhepunkt der städti- 
schen Politik ohnegleichen erreicht. Dänemark war bezwungen, und dieses 
Dänemark war allein schon durch seine geographische Lage der gefährlichste 
Gegner der Handelslinie Nowgorod— Lübeck—Brügge, des eigentlichen 
Rückgrats des ganzen hansischen Wirtschaftssystems. Der wirtschaftliche 
Gewinn des Krieges war ein gesamthansisches Handelsprivileg für Dänemark 
und die Anerkennung der hansischen Sonderrechte auf Schonen. Aber der 
errungene Erfolg reichte. weiter. Die Übergabe der Sundschlösser an die 
Städte auf 15 Jahre verschaffte ihnen eine Machtstellung im wichtigsten 
Teile des dänischen Reiches und im Zusammenhange mit der Einräumung 
eines offiziellen Einflusses auf die dänische Thronfolge eine Sicherung des 
Errungenen. Für die nächsten Jahrzehnte war die dänische Gefahr jedenfalls 
ausgeschaltet. 
Die Anerkennung der hansischen Privilegien machte die skandinavischen 
Länder wieder zu Einflußsphären der hansischen Wirtschaftspolitik. Auch 
in den übrigen Gebieten des hansischen Interessenkreises hatte die Privilegien- 
politik gerade damals ihre besten Erfolge gezeitigt. Überall war in ihnen der 
hansische Kaufmann zu Hause, in Flandern so gut wie in Nowgorod, in 
London wie in Bergen. Überall verfügte er über Erfahrung in der Beurteilung 
der örtlichen Gegebenheiten und verstand es in überlegener Weise, die maß- 
gebenden Persönlichkeiten zu behandeln; den rauhen Fürsten von Nowgorod 
wußte er ebensogut zu nehmen wie die hochkultivierten flandrischen Grafen; 
mit dem Hochmeister des Deutschen Ordens ebenso erfolgreich zu ver- 
nandeln wie mit der englischen Krone. Bei der außerordentlichen Ver- 
schiedenheit der wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse dieser weiten, 
für die damalige Welt geradezu unendlichen Gebiete wurde der Lübecker 
Rat die Hochschule der politischen, insbesondere der wirtschaftspolitischen 
Kunst. Zum mindesten: Lübeck war für eine solche Führerrolle europäischen 
Stils geradezu prädestiniert und hat sich in ihr aufs beste bewährt. 
Was die Welt zur Zeit des Stralsunder Friedens am meisten in Staunen 
setzte, war die äußere Machtentfaltung der Städte. Zunächst der militärische 
Sieg über den gefürchteten Dänenkönig, sodann als dessen Folge: die wirt- 
schaftspolitische Vormachtstellung in Nordeuropa. Aller Welt wurde es 
offenbar, was die Städte erreicht hatten, als sie das Ostseebecken voll-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.