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V. Die Hanse und die nordischen Länder
Fäden des äußeren und inneren Geschehens sich neigen zuungunsten
der Hanse?). Und dazu nicht der Gesamtheit der Hanse, sondern der hansischen
Kerngruppe, der wendischen Städte. Nur für sie wirken alle jetzt einsetzenden
Faktoren in der einen Linie der Gefährdung der bisherigen Stellung;
für die östlichen Städte, die preußischen und baltischen, aber auch die westlichen,
namentlich Kampen, wirkt sich die Verschiebung der Lage so aus,
daß sie immerhin einige Vorteile aus ihr ziehen konnten — wenn sie in
wesentlichen Fragen ihre Wege unabhängig nahmen von der lübeckischen
Politik.
Nach dem Stralsunder Frieden tritt der Gegensatz unter den Städten unverhüllt
zutage, und diesmal stand ihnen eine so kluge Gegenspielerin
gegenüber, wie es die Königin Margarethe war. Es ist stets die Gruppe der
preußischen Städte, die für eine schärfere Haltung gegen Dänemark eintritt.
Sie dringen darauf, die Rückgabe der Sundschlösser an Dänemark abhängig
zu machen vom vollen Ersatz der ihnen erwachsenen Schäden durch den von
Dänemark im Sunde unterstützten Seeraub; sie wünschen den Sund militärisch
durch hansische Kreuzer zu sichern, sie treten ein für den Fortbestand
der gegen Dänemark gerichteten Kölner Konföderation, hier bezeichnenderweise
unterstützt von den zuiderseeischen Städten. Sie dringen nicht durch,
sondern die letzten Endes immer wieder nachgiebige Haltung der von Lübeck
geführten wendischen Städte. Und hinter diesem, die hansische Gesamtaktion
ständig gefährdenden Gegensatz in den eigenen Reihen steht als zersetzendes
Ferment eben die ganz verschiedene Stellung der Städte zur Sundschiffahrt.
Bis zur Zeit der Waldemarschen Kriege wird man die Sundfahrt von
Nordsee nach Ostsee in erster Linie als Fahrt nach den Schonenschen Märkten
bezeichnen dürfen. An der Belebung des Verkehrs auf Schonen waren
alle Städte in gleicher Weise interessiert, auch die wendischen. Und auch eine
andere Art der Umlandfahrt lag durchaus im Ilübeckischen Interesse,
nämlich die von Lübeck nach Bergen. Diese ging in der Hauptsache durch
den Großen Belt. Von ihr wird später noch zu sprechen sein. Bezeichnend für
die späte Belebung der Umlandfahrt durch die deutsche Schiffahrt ist jedenfalls,
daß im Verkehr der Deutschen nach Norwegen zunächst die Westdeutschen
durchaus überwiegen, seit 1300 aber die Lübecker auch hier an der
Spitze stehen. Sie sind es, die gerade im 14. Jahrhundert die Handelsherrschaft
des deutschen Kaufmanns über Norwegen, dank der Energie des
Lübecker Kaufmanns dieser Periode, begründet haben. Soweit war also
Lübeck selbst an der Umlandfahrt interessiert, auch an seiner, übrigens bescheidenen,
direkten Fahrt nach England. Aber was nach 1370 im Sunde
geschah, stand immer mehr im scharfen Gegensatz zu den Voraussetzungen
der wirtschaftlichen Blüte Lübecks und der Städte an dem südwestlichen
Teile der Ostsee. Unwillkürlich drängt sich ein Vergleich mit der Gegenwart
auf, wo abermals die Städte der südwestlichen Ostsee in eine schwere Lage