Full text: Hansische Beiträge zur deutschen Wirtschaftsgeschichte

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V. Die Hanse und die nordischen Länder 
Ziel immer dasselbe war: Beherrschung des Sundes durch die Städte, um den 
Sundverkehr noch mehr zu beleben. Man kann es ruhig aussprechen: die 
Sundfrage hat bereits kurz nach 1370 die alten Grundlagen der hansischen 
Einheit zerstört. Und deshalb sollte man bei der Beurteilung der hansischen 
Geschichte der folgenden Jahrhunderte weniger die Reibungen innerhalb 
der einzelnen städtischen Interessengruppen hervorheben, als den trotz allem 
vorhandenen Gemeinsinn anerkennen, der die Städte immer wieder zusam- 
menführte, obwohl die Gegensätzlichkeit ihrer wirtschaftlichen Interessen 
immer fühlbarer hervortrat. Man vergegenwärtige sich einen Augenblick, 
wie ganz anders sich die Dinge gestaltet hätten, wenn Jütland und Skan- 
dinavien nicht durch die Meerengen getrennt wären. Jedenfalls wäre dann 
das alte hansische Verkehrssystem mit dem Überlandweg Lübeck—Hamburg 
ungleich leichter aufrechtzuerhalten gewesen. So mußte Lübeck damit zu- 
frieden sein, durch eigene stärkere Beteiligung auch an der Umlandfahrt 
einen Ausgleich für Verlorenes zu finden und damit die Schärfe des ent- 
standenen Interessengegensatzes zu dämpfen. 
Noch einmal schienen die Verhältnisse in frühere Bahnen zurücklenken zu 
wollen, als Erich der Pommer, der großen Margarethe Sohn, über die schles- 
wigsche Frage in offenen Kampf mit Holstein geriet. Damit tauchte dieselbe 
Gefahr auf, wie sie die Vorstöße früherer Dänenkönige nach dem Süden ge- 
bracht hatten, nämlich die Bedrohung der Linie Hamburg—Lübeck. Es ist 
deshalb kein Wunder, daß diesmal die wendischen Städte die Führer im 
Kampf gegen Dänemark wurden. Allerdings erst nach langem Zögern, da 
dieselben wendischen Städte ja seit 1370 die traditionellen Träger einer 
dänenfreundlichen Politik gewesen waren. Wieder ist es das Problem der Ver- 
bindungswege von der Ostsee zur Nordsee, das die Stellung der Städtegruppen 
innerhalb der Hanse bestimmt. Die preußischen Städte waren unmittelbar 
nach dem Stralsunder Frieden die Seele eines schärferen Vorgehens gegen 
Dänemark, solange man die Sundschlösser in der Hand hatte und die Be- 
herrschung des Sundes durch die Städte hätte verewigen oder zum mindesten 
verlängern können. Jetzt, wo man für die ungehinderte Fahrt durch den 
Sund auf das gute Einvernehmen mit dem sundbeherrschenden Dänemark 
angewiesen war, sah man bei den östlichen Ostseestädten nichts unlieber, 
als die Störung des Verkehrs auf der Sundlinie. Gewiß konnte sich die wen- 
dische Gruppe darauf berufen, die von König Erich verletzten gesamt- 
hansischen Privilegien zu verteidigen, aber über die geeigneten Mittel, das zu 
erreichen, war man in Lübeck und Danzig sehr verschiedener Meinung. Die 
preußischen Städte wollten die wendischen unterstützen, soweit sie für die 
Freihaltung der Sundfahrt sorgen würden, aber der ganze Verlauf der krie- 
gerischen Handlungen führte ja zum Gegenteil: zur Sperrung des Sundes, zu 
äußerster Gefährdung der dänischen Gewässer durch das erneut ins Kraut 
schießende Seeräuberunwesen und zu dänischen Angriffen auf die Danziger
	        
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