VIIL Die Gründungsunternehmerstädte des 12. Jahrhunderts 267
titisse.‘“ — Als Vertreter der an der Gründung Rigas mitbeteiligten mercatores gilt
bis 1226 ihr „syndicus‘‘; seitdem der Rat.
%) L. Arbusow, Das älteste Wittschopbuch der Stadt Reval (1312— 1360). Reval
1888, Register unter „boda‘‘; insbesondere unter: „ boda institrica‘, Vgl. die von E. von
Nottbeck bearbeiteten Ausgaben des zweit- und drittältesten Revaler Erbebuches.
— Inzwischen habe ich mich bei einem Besuch in Reval im August 1927 von den Herren
O. Greiffenhagen und A. Friedenthal darüber unterrichten lassen, daß das heutige
Marktgelände der Stadt Reval erst in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts in Be-
siedelung genommen wurde, während die ältere städtische Siedelung bei der Burg in der
Gegend der Nikolaikirche gelegen habe, aber wirtschaftlich verhältnismäßig unbedeutend
gewesen sei. Erst die oben erwähnte Neusiedelung des späteren 13. Jahrhunderts sei
wirklich aus kaufmännischen Gesichtspunkten größeren Maßstabes entstanden. Für
diese späte Marktsiedelung des 13. Jahrhunderts wäre also nach den Angaben der späteren
Grundbücher anzunehmen, daß sie doch noch wie die Lübecks 1158 erfolgt ist: nämlich
durch privatwirtschaftlich am Marktbudenbesitz beteiligte Gründungsunternehmer, Da-
für spricht auch noch folgende Tatsache: Noch in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts
ist der Revaler Rat bestrebt, seinen eigenen Budenbesitz durch Ankauf von Buden aus
den Händen angesehener Familien zu vergrößern. Das iehrt ein Überblick über die
ältesten Verzeichnisse der Schusterbuden (budae sutoriae). Die älteste dieser Übersichten
ist auf ca. 1360 oder etwas früher anzusetzen. Quelle: Stadtarchiv Reval, Liber de diversis
articulis (A. d. 4) Bl. 2. Von den 21 Schusterbuden gehören damals nur 7 der Stadt,
14 Privaten, darunter so angesehenen Männern wie den Ratsherrn Thilo Lange und Hin-
rich Cruel. Gerade dieser beider Besitz an 3 Schusterbuden geht damals an die Stadt über,
so daß das Verzeichnis von 1363 (Stadtarchiv Reval, Liber de bodarum censu, A. d. 1, f. 1)
bereits 10 Schusterbuden in städtischem Besitz, und nur noch 11 in privatem aufweist.
Damals gehören von 12 Krämerbuden 8 der Stadt, 4 Privaten. Das alles weist auf den von
Lübeck her bekannten Zustand hin: das Marktbudeneigentum angesehener Privater ist
älter, das der Stadt jünger. — Für die andere Gestaltung der Verhältnisse bei Rostock,
Wismar und Stralsund vgl. unten Anm. 33 und 34. — Für Reval vgl. noch: O, Greiffen-
hagen, Historische Einleitung zum Führer durch Reval, Reval, Kluge & Ströhm, 5. Aufl.,
1926, S. 4ff. Es ist ein besonders schwerer Verlust für unsere Erkenntnis, daß von Dorpater
Archivalien, die für den Gründungsvorgang und die ältere Geschichte der Stadt Auf-
schlüsse geben könnten, nichts vorhanden ist. Aus dem oben, S. 230 Mitgeteilten ergibt
sich, wie hoch die wirtschaftliche Bedeutung dieser Stadt im 14. Jahrhundert war; für den
Verkehr nach Lübeck war sie allem Anschein nach noch bedeutender als Riga; Reval
tritt hinter beiden zurück. Darüber war man sich in Reval im 14. Jahrhundert durchaus
klar, 1356 kam es zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Reval einerseits, Riga und
Dorpat andrerseits. Reval beschwert sich bei Dorpat über die ihm zugedachte Beteiligung
an der Zahlung nach Flandern; es begründet seine Forderung, nicht so viel leisten zu
wollen, „ex eo, quod debeliores de bonis sumus, quam vos estis‘. (Stadtarchiv
Reval, A. a. 6 d f. 4; das richtige Datum in dem Regest bei P. Johansen in: Katalog
des Revaler Stadtarchivs, 2. Aufl. herausg. v. 0. Greiffenhagen, III. Abt., Nr. 231.)
%a) Für Stockholm ist bereits 1915 auf die Ähnlichkeit des Planes der Altstadt von
Stockholm mit dem Lübecks hingewiesen worden: vgl. N. Östmann, in der Festskrift
utgifven till minne af nya rädhusets invigning hösten, 1915, Teil I, S. 3. Hier wird an Hand
der einander gegenübergestellten Abbildungen der beiden Pläne gefolgert, daß der Stock-
holmer Marktplan nach Lage von Kirche, Rathaus und Marktplatz direkt eine Kopie des
Lübecker Marktes sei; schon hier wird ein starker Einfluß Lübecker Bürger auf das
Werden der Stadt gefolgert. Kenntnis und Besitz dieser prachtvollen Festschrift ver-
danke ich G. Bolin, dessen eindringender Aufsatz: Namnet Stockholm och Stockholms
uppkomst, St. Eriks Ärsbok 1921, S. 80ff., namentlich für die Vorgeschichte der eigent-
lichen Stadt Stockholm und ihre geographischen Voraussetzungen von Bedeutung ist.