Full text: Mittheilungen aus der Geschäfts- und Sterblichkeits-Statistik der Lebensversicherungsbank für Deutschland zu Gotha für die fünfzig Jahre von 1829 - 1878

I. Theil. Statistik der Anträge, Ablehnungen, Aufnahmen und Abgänge. 
werden können, nicht aber hinsichtlich der Abgewiesenen, 
welche sich nach der Abweisung jeder Beobachtung durch die 
abweisende Anstalt entziehen, mit einiger Genauigkeit con 
trolaren. Die Zahl Derer, welche, bereits versichert, mit einem 
Nachversicherungs-Anträge abgewiesen werden, sowie die Zahl 
Derer, welche früher abgewiesen wurden, auf einen zweiten 
oder dritten Antrag aber angenommen werden, ist leider noch 
zu gering, um eine solche Controle zu ermöglichen. 
Hingesehen auf die Beurtheilung und Berücksichtigung der 
Berufsgefahr ist die Bank auf Grund sorgfältiger Beobach 
tungen allmählich zu der Ueberzeugung gelangt, dass eine 
generelle Ausschliessung 1 ) gewisser Berufsklassen nur ganz 
ausnahmsweise geboten erscheint, dass, abgesehen von diesen 
noch festzuhaltenden Ausnahmen, auch Personen, deren Beruf 
nach allgemeiner Anschauung gesundheitsgefährdend ist, dann 
noch aufgenommen werden können, wenn die physikalische 
Untersuchung das Vorhandensein einer grossen individuellen 
Widerstandsfähigkeit gegen jene schädlichen Einflüsse ergiebt, 
und durch die ganze Lebenshaltung eine Neutralisirung der 
letzteren mit Erfolg angestrebt wird. In allen den Fällen, wo 
die normale Gesundheit vermisst wird, oder wo bedenkliche 
Lebensgewohnheiten, oder wirklich ernste Gefährdung durch 
Beruf oder Beschäftigung constatirt werden, erfolgt die Ab 
weisung, und es finden solche Anträge auch gegen das Erbieten 
zur Entrichtung einer höheren als der tarifmäsigen Prämie bei 
der Bank keine Annahme. Die Bank geht davon aus, dass es 
zur Zeit noch an der wissenschaftlichen Grundlage für die 
Bemessung solcher Prämien - Aufschläge fehlt. Wenn sie in 
Fällen, wo der augenblickliche Gesundheitszustand normal ist, 
und die Berufsbeschäftigung für die nächste Zukunft keine 
Beeinträchtigung der Gesundheit befürchten lässt, aber doch in 
der Constitution oder Beschäftigung des Antragstellers Momente 
gefunden werden, welche für eine spätere Zukunft Bedenken 
erregen, bisweilen die sogenannte abgekürzte Versicherung vor 
schlägt und eintreten lässt, so bietet sie dem Versicherten für 
die zur Erwerbung des Anspruches auf frühere Auszahlung der 
Versicherungssumme bezahlte Zusatzprämie ein bestimmtes 
Aequivalent, welches bekanntlich der willkürlich bemessenen 
Versetzung in eine höhere Altersklasse oder dem Procent- 
zuschlage wegen nicht intacter Gesundheit nicht gegenübersteht. 
Abgelehnt wurden: 
Beantragte V.-S. 
1 438 Anträge mit 7314 800 Jk. 
2144 » » 10776400 » 
2 324 » » II 548 500 » 
3 882 » » 22 020600 » 
5 523 » 39131000 » 
in Sa. 15 311 Anträge mit 90 791 300 Jk. 
oder in Procenten der Anmeldungen: 
Nach der Zahl: 
im ersten Jahrzehnt 10,34 °/o 
im ersten Jahrzehnt 
» zweiten » 
» dritten » 
» vierten » 
» fünften » 
» zweiten » 14,87 » 
» dritten » 13,50 » 
» vierten » 14,35 » 
» fünften » 12,48 » 
im Ganzen 13,11 °/ 0 
Es wurde oben bemerkt, dass die Qualität der Leistungen 
Nach der Summe: 
11,32 °/o 
17,58 » 
15,27 » 
I5>21 » 
1 3 ’5 4 » 
14,29 °/o 
’) Die verfassungsmäsige generelle Ausschliessung von Personen, 
welche im Seedienste stehen, beruht nicht etwa auf der An 
nahme, dass der Beruf des Seemannes an sich gesundheitsgefährlich 
und lebensverkürzend sei, sondern sie ist theils durch den Umstand 
begründet, dass sich Seeleute in Folge ihres Berufes oft auf viele 
fahre der Beobachtung des Versicherers vollkommen entziehen, theils 
hängt sie mit den Beschränkungen zusammen, welche die Anstalt 
ihren Versicherten im Betreff der Reisen nach gewissen Gegenden 
auferlegen muss. 
der werbenden Organe einer Versicherungs-Anstalt sich unter 
Anderem auch durch die Zahl der Abweisungen charakterisire; 
freilich charakterisirt die letztere auch die Leistungen der die 
Prüfung der Anträge besorgenden Stelle und die bei dieser 
Prüfung maasgebenden Grundsätze. Eine Vergleichung der 
Zahl der abgewiesenen Anträge bei der Gothaer Anstalt mit 
den entsprechenden Ziffern, welche die Rechenschaftsberichte 
anderer deutscher Anstalten ergeben, lässt die erstere mäsig 
erscheinen. Ein Zeichen wohl mehr für die Durchschnitts- 
Qualität der eingegangenen Anträge, als dafür, dass die Kritik 
des eingehenden Materials nicht mit gleicher Strenge und 
Gründlichkeit geübt würde, wie bei anderen Anstalten. Denn 
für die Strenge und Gewissenhaftigkeit dieser Kritik zeugen 
andererseits wieder die günstigen Sterhlichkeits - Erfahrungen 
zur Genüge. 
Schon dass das Procentverhältniss in allen Perioden in der 
zweiten Reihe (Summe) nicht unwesentlich höher ist, als in 
der ersten (Zahl der abgewiesenen Anträge) zeigt deutlich an, 
dass es sich bei den Abweisungen vornehmlich um grössere 
Anträge gehandelt hat. Deutlicher noch wird dies, wenn wir 
die Durchschnitte der Antrag-Summen mit den gleichen Durch 
schnitten der Summen der abgewiesenen Anträge vergleichen. 
Es betrugen: 
Die Summen durchschnittlich Die Summen durchschnittlich 
auf die Anmeldung auf die Abweisung 
im I. Jahrzehnt 4645 Jk. 5087 Jk. 
t> II. » 4252 » 5026 » 
» III. » 4394 » 4969 » 
» IV. » 5355 » 5672 » 
» V. » 6529 » 7085 » 
Die durch diese Ziffern - Reihen erläuterte Thatsache hat 
nichts Befremdliches. Ein ähnliches Verhältniss kehrt in der 
Geschäfts-Statistik der meisten deutschen Anstalten wieder. 
Hauptspalte III. der Tabelle I giebt die Zahl der perfect 
gewordenen Verträge und der neu aufgenommenen 
Personen und deren Versicherungs-Summen an. 
Die Bewegung ist nicht ganz die gleiche wie bei den Anträgen. 
Es wurden nämlich: 
neu aufgenommen einzelne Ver- Die Versicherungen 
Personen: Sicherungsanträge lauteten über Mark 
abgeschlossen: Versicher.-Summe : 
im I. Jahrzehnt 10648 
» 10 4O4 
» 12380 
» 19759 
» 32590 
» II. 
» III. 
» IV. 
» V. 
II970 
12 I94 
I4712 
22 886 
38215 
55 161 600 
50076000 
62 877000 
120 941 100 
244 590 900 
533646600 
in Sa. 85781 99977 
(Die Personen dieser Aufstellung sind diejenigen, mit denen 
überhaupt Versicherungsverträge abgeschlossen wurden; die 
Zahl der Versicherungen ist gleich der Zahl der ausgestellten 
Urkunden über perfect gewordene Versicherungsverträge, deren 
also einzelne Versicherte je mehrere eingingen ) 
Der Jabres-Durchschnitt betrug: 
Personen : Vertrage : 
im 
» 
» III. 
» IV. 
» V. 
I. Jahrzehnt 
II. » 
1065 
IO4O 
1238 
1976 
3259 
und es kamen durchschnittlich: 
auf eine Person: 
im I. Jahrzehnt 
II. 
III. 
1197 
1219 
1471 
2289 
3822 
V ers.-Summe : 
5 516 I6O An. 
5OO76OO » 
62877OO » 
12094 I IO » 
24459090 » 
5180 Jk. 
4813 
5079 
6121 
7505 
auf einen Vertrag: 
4609 Jk Vers.-Summe 
4107 
4274 » 
5284 » 
6400 » 
IV 
V.
	        
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