Full text: Gesellschaftslehre

Die verschiedenen Arten der Gemeinschaft. 
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3. Als zweiten Typus betrachten wir den Typus derabstrakten 
Gruppengemeinschaft. Waren beim vorigen Typus Gruppe 
und Personen noch wesentlich eine Einheit, so ist hier die Gruppe rela- 
tiv losgelöst von den sie tragenden Personen und führt in ausgesproche- 
ner. Weise ihr eigenes Leben. Sie steht den Individuen relativ selbstän- 
dig gegenüber und ebenso diese ihr. Die Gruppenqualität haftet an die- 
sen nicht mehr als eine immanente, das tägliche Leben durchdringende 
Eigenschaft, sondern macht sich nur ausnahmsweise an ihnen bemerklich. 
Es tritt dieser Typus überall an Stelle des vorigen auf, wo die Kopf- 
zahl eine gewisse Grenze überschreitet. Enge persönliche Beziehungen 
Jassen sich nicht über eine gewisse mäßige Zahl hinaus pflegen. Jenseits 
dieser tritt eine allgemeine Anonymität ein, bei der Beziehungen von 
solcher Art nur noch in kleineren Teilgruppen möglich sind. Die 
moderne Nation oder der moderne Staat sind naheliegende Beispiele: 
selbst wenn der Einzelne sich eng mit ihnen verbunden fühlt und sie als 
sein eigen empfindet, bleiben seine Gruppengenossen in der Regel für 
ihn Wesen, die nicht von seinem Gemeinschaftsbewußtsein umfaßt wer- 
den. Nur wo sich die Gruppenangelegenheiten besonders vordrängen 
und den ganzen Menschen erfüllen (z. B. bei Wendepunkten eines natio- 
nalen Krieges), da durchflutet eine Welle des Gemeinschaftsbewußtseins 
alle Angehörigen. Aber es bleibt eine vereinzelte Ausnahme, daß eine 
Gruppenangelegenheit die Gruppenangehörigen in ihre Kreise hinein- 
zieht, mit der Gruppenqualität gleichsam durchdringt und damit die Ge- 
meinschaftsgesinnung ihnen gegenüber aktualisiert. Eine dauernde Ge- 
meinschaftshaltung gegen einzelne Personen aus dem Gruppengeist 
heraus kommt nur in Frage, soweit diese Träger von Gruppenangelegen- 
heiten und dadurch mit der Gruppe besonders eng verknüpft sind: nur 
soweit sie das Ganze repräsentieren, kann die diesem zugewandte Ge- 
sinnung auch sie erfassen. Der Monarchenkult älterer Zeiten hat hierin 
jedenfalls eine Wurzel. Die Gemeinschaftshaltung ist demgemäß im 
Ganzen bei diesem Typus viel schwächer entwickelt als bei dem vorigen, 
weil ihr Gegenstand im allgemeinen nicht in der Anschauung gegeben ist, 
sondern nur ausnahmsweise anschaulichen Charakter annimmt. Zu- 
sammengefaßt: die Gemeinschaftsgesinnung wird bei diesem Typus viel 
seltener aktualisiert als bei dem vorigen, und als Dauerzustand ist sie 
von geringer Intensität, Dafür kann ihr Gegenstand einen erhabenen 
Charakter annehmen und demgemäß der Gemeinschaftsgesinnung eine 
höhere Qualität verleihen. Gerade weil er im täglichen Leben sich kaum 
bemerklich macht, dem persönlichen Leben der Angehörigen durchaus 
selbständig gegenübersteht, kann er sich stärker von diesem abheben 
und seinen spezifischen Wert viel mehr zur Geltung bringen. Man 
vergleiche unter diesem Gesichtspunkt etwa den modernen Staat mit der
	        
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