aber weisen die Krisen gerade in dem Lande des am weite-
sten vorgeschrittenen Kapitalismus — in England — die Ten-
denz auf, milder zu werden: die Perioden des industriellen
Aufschwungs zeigen nämlich die Tendenz, ohne große Er-
schütterungen in Perioden industrieller Depression überzu-
gehen. Der Industriekapitalismus entwickelt sich in seinen
höheren Stadien also in einem pulsierenden Tempo. Die uns
gegenwärtigen Krisen der Nachkriegszeit lassen wir hierbei
selbstverständlich außer acht. Die Industriekrisen waren es
indessen offensichtlich, die Marx zur Verneinung des Marktes
als eines Regulators der Produktion geführt haben.
Das vom wissenschaftlichen Sozialismus hingegen vorge-
schlagene System der Regelung der Produktion hat nichts
mit dem innerhalb der kapitalistischen Wirtschaft wir-
kenden gemeinsam. Der Einheitsplan der sozialistischen
Wirtschaft ist nicht die Summe der einzelnen Produktions-
pläne, wie sie in den Einzelunternehmungen der kapitalisti-
schen Wirtschaft aufgestellt werden, sondern wird auf einer
prinzipiell verschiedenen Grundlage aufgebaut. In der sozia-
listischen Gesellschaft gibt es keinen Markt. Alle Verteilungs-
funktionen sind vielmehr bei Spezialbehörden zentralisiert,
die dem wirtschaftlichen Staatsplan gemäß handeln. Alle
Betriebe des sozialistischen Staates arbeiten für den „ge-
meinsamen Kochtopf‘ und werden aus demselben auch be-
liefert.
Die Wirtschaftsgüter, insonderheit die Produktionsmittel,
zirkulieren im sozialistischen Staate ohne Kauf und Verkauf
— ohne Äquivalent. Nicht umsonst finden alle russischen
Forscher der sozialistischen Wirtschaft, wie Bucharin, Tscha-
janow, Larin, in der letzteren Züge der Naturalwirtschaft.
In der Tat: wir können uns dieses Vergleichs bedienen. Wir
könnten die sozialistische Wirtschaft namentlich der bäuer-
lichen Naturalwirtschaft an die Seite stellen. Auch in dieser
gibt es verschiedene Arten nutzbaren Landes, der Ackerbau
pflegt verschiedene Früchte, die Viehzucht kennt verschie-
dene Zweige, und alle diese Wirtschaftselemente stehen im
engsten Zusammenhang miteinander. Die Erzeugnisse der
Felder, der Weiden und der Wiesen werden dem Vieh dar-
gereicht; die Arbeit der Pferde und der Dünger werden auf
dem Felde und beim Gemüsebau verwertet; und dieser ganze
Umlauf der Werte aus einem Wirtschaftsgebiet ins andere
geschieht ohne Kauf und Verkauf. Ebensowenig gibt es in
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