Mottenpapier
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Musalina
künstliche Öffnung einen Teil des M. und näht
ihn in täuschender Weise wieder zusammen.
Auch mit Spiritus ausgezogene Beutel kommen
vor. Im allgemeinen deuten sehr pralle Aus
füllung und unebenes Aussehen auf Verfäl
schung. Ebenso sind Beutel, die sich sehr
weich und feucht anfühlen oder stark ammo-
niakalisch riechen, als verfälscht oder minder
wertig zu betrachten. Beimischung von getrock
netem Blut erkennt man an dem stinkenden Ge
ruch, der sich beim Anfeuchten mit Wasser
nach 'einiger Zeit entwickelt. Auch die Bestim
mung der Asche, die Löslichkeitsverhältnisse
und die mikroskopische Prüfung geben wichtige
Anhaltspunkte für die Reinheit eines Moschus
pulvers. — In der Parfümerie spielt der M.
eine ziemlich große Rolle, wird aber kaum für
sich allein verwandt, sondern in kleinen Mengen
anderen Parfümen und Toiletteseifen zugesetzt,
so daß der Moschusgeruch nicht gesondert
hervortritt, sondern im Gesamtgeruch aufgeht.
Medizinisch wurde er früher zur Anregung des
Nervensystems, Beschleunigung des Pulses und
Beförderung der Schweißabsonderung verordnet,
ist aber jetzt im D. A. B. gestrichen. Im Hand
verkauf wird häufig Moschuspulver als Riech
mittel usw. verlangt. Für diesen Zweck hält man
eine Mischung aus einem Teil M. und neun
Teilen getrocknetem Hirschblut vorrätig. Die
Moschustinktur (Tinctura moschi) wird außer
in den Apotheken auch in größeren Mengen zu
Parfümeriezwecken benutzt. — Die Moschus
beutel bewahrt man wegen ihres starken Ge
ruches am besten in trockenen Blasen ein
gebunden auf, das Moschuspulver in dicht schlie
ßenden Stöpselgläsern, die in einen Blechkasten
gestellt werden. — Künstlicher Moschus ist
die Handelsbezeichnung für das von Baut ent
deckte Trinitrobutyltoluol, das einen starken Mo
schusgeruch besitzt. Es wird durch Erhitzen
eines Gemisches von Toluol und Butylchlorid
mit Aluminiumchlorid und nachfolgendes Ko
chen des entstandenen Butyltoluols mit Salpeter
säure und rauchender Schwefelsäure dargestellt
und bildet gelbliche, bei 96—97 0 schmelzende
Nadeln. Das Präparat, das bisweilen mit
Azetanilid gemischt in den Handel kommt,
dient zu Parfümeriezwecken, vermag aber
den echten M. für feinere Parfüms nicht
zu ersetzen. Außer Trinitrobutyltoluol werden
noch eine Reihe ähnlicher Produkte her
gestellt, wie beispielsweise Trinitrobutylxylol,
Trinitrobutyläthylbenzol, Dinitrobutylxylylzyamd,
Dinitrobutylxylylaldehyd, Dinitroazetobutyltoluol,
Dinitroazetobutylxylol u.a.m. Charakteristisch für
alle diese Verbindungen ist die tertiäre Butyl-
gruppe. Zeitweilig ist künstlicher M. auch
durch Verreiben von Bernsteinöl mit rauchender
Salpetersäure und nachfolgendes Waschen mit
Pottasche hergestellt worden.
Mottenpapier (Naphthalinpapier) ist mit
einer Mischung von Naphthalin, Karbolsäure und
Wachs getränktes Papier, das zur Abhaltung von
Motten zwischen Kleidungsstücke und Wäsche
gelegt wird.
Muirazithin, ein von Noris Zahn & Co. in
den Handel gebrachtes Mittel gegen sexuelle
Nervosität, enthält als wirksame Bestandteile
Lezithin und das Extrakt aus der Wurzelrinde
von Liriosma ovata, einer in ihrer Heimat
Brasilien „Muira puama“ genannten Olakazee.
Das Extrakt, welches neben Gerbstoff, ätheri
schem öl und Zucker ein Alkaloid enthält, wird
mit Lezithin und Süßholzpulver zu Pillen ge
formt. M. ist dem freien Verkehr entzogen und
darf nach der Berliner Verordnung von 30. VI.
1887 und der Entscheidung des Kammergerichts
vom 29. X, 1908 nicht öffentlich angepriesen
werden.
Mundwässer (Zahnwässer, lat. Aqua denti-
frica, frz. Eau dentifrice, engl. Tooth water)
nennt man zur Reinigung und Pflege der Mund
höhle und der Zähne bestimmte Flüssigkeiten,
die meist aus alkalischen Lösungen von Des
infektionsmitteln und Riechstoffen bestehen. Zu
ihrer Herstellung verwendet man Katechu-,
Myrrhen- und Ratanhiatinktur mit Borsäure, Sali
zylsäure und Thymollösungen, die mit aroma
tischen Stoffen und ätherischen Ölen versetzt
sind. Von den zahlreichen Spezialitäten, deren
Zusammensetzung Geheimnis der Fabrikanten
ist, sind Odol, Kosmin u. a. in besonderen Auf
sätzen besprochen.
Mule-Twist (Mulegarn) ist das weichere,
besonders als Einschuß dienende Baumwoll
garn, das auf der Mulemaschine (Halb- oder
Ganzselfaktor) fein gesponnen wurde (vgl.Baum
wollgarn).
MuH ist ein klarer, feiner, weißer und weicher
Musselin zu Frauenkleidern, Kragen, Vorhemden
u. dgl., der auch als Verband- und Bindenstoff
Verwendung findet. Er stammt ursprünglich aus
Ostindien, wird aber gegenwärtig in Europa
vielfach erzeugt. Die bisweilen gleichfalls be
nutzte Bezeichnung Moll (s. d.) kommt eigentlich
einem feineren Molton zu.
Muräne (Muraal), ein aalähnlicher Fisch,
Gymnothorax muraena, der zuweilen bis
6 kg und darüber schwer wird, lebt im Mittel
ländischen Meere, vereinzelt auch im Atlanti
schen Ozean. Die Grundfarbe des Vorderleibes
ist lebhaft gelb, die des hinteren geht ins
Bräunliche über, der Rücken zeigt braune Flek-
ken, die durch dunklere Binden umschlossen
und voneinander abgegrenzt werden. Das Fleisch
gilt als höchst schmackhaft und wurde schon von
den Alten hochgeschätzt. Lukullus soll seine
M. mit Sklavenfleisch gefüttert haben.
Murexid (purpursau res Ammoniak, Rouge
de Naples). Dieser nach Murex, die Pur
purschnecke, benannte Farbstoff hat eine
Zeitlang das hohe Interesse der technischen und
Modewelt erregt, ist aber jetzt durch die Anilin
farben völlig verdrängt. Als Ausgangsmaterial
zu seiner Herstellung dient die Harnsäure
(s. d,), die am bequemsten aus Peruguano ab
geschieden wird. Harnsäure liefert mit verdünn
ter Salpetersäure Alloxan, dessen heiße Lösung
mit kohlensaurem Ammoniak gefällt wird, ln
den Handel kam der Farbstoff teils in Teig-,
teils in Pulverform, oder als braune, grünschil
lernde Kriställchen. Die mit M. auf Zeugen
erzielten Farben sind zwar schön, aber sehr
unbeständig.
Musalina, ein zur Erzielung größerer Bindig
keit der Wurstfüllung angepriesenes Mittel, be
steht aus technisch reinem Eiweiß. Im Hinblick
auf den unkontrollierbaren Ursprung derartiger