Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Muschelgold

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Muskatblüte

Stickstoffverbindungen  ist  den  Fleischern  von
der  Verwendung  des  Mittels  dringend  abzuraten,
da  die  Beimischung  solcher,  dem  Normalbegriff
der  Wurst  fremder  Stoffe  als  Verfälschung  angesehen ­
  wird.
Muschelgold  (Malergold,  echte  Goldbronze, ­
  frz.  Or  en  coquille,  engl.  Shell  gold)
nennt,  man  fein  verteiltes,  staubförmiges  Gold,
das  zu  Buntdrucken  und  in  der  Malerei  Verwendung ­
  findet  und  gewöhnlich,  ,  mit  Gummischleim ­
  oder  Honigwasser  angerieben,  in  kleine
Flußmuschelschalen  gefüllt,  verkauft  wird.  Man
erhält  das  M.  meistens  durch  Zerreiben  der
Abfälle  der  Goldschlägerei,  seltener  durch  Reduktion ­
  einer  Chlorgoldlösung  mit  Chlorantimon. ­
  Ebenso  wird  durch  Zerreiben  von  Blattsilberabfällen ­
  Muschelsilber  dargestellt.  Als
unechtes  M.  oder  Musivgold  bezeichnet  man
die  verschiedenen  Arten  von  Bronzen.
Muscheln.  Von  diesen  zu  den  Weichtieren
gehörigen  kopflosen,  mit  einer  zweiklappigen
Schale  versehenen  Tieren  bilden  mehrere  Arten
ein  wertvolles  Nahrungsmittel,  so  die  Austern
(s.  d.),  die  Miesmuscheln  und  die  eßbare
Herzmuschel.  Von  anderen,  nicht  eßbaren
Muscheln  werden  vielfach  die  Schalen  in  den
Handel  gebracht,  und  namentlich  die  Perlmutterschalen ­
  (s.  d.)  bilden  eine  nicht  unbedeutende ­
  Handelsware.  —  Die  Mies-  oder
Pfahlrauschei  (Mytilus  edulis)  ist  gewöhnlich ­
  gemeint,  wenn  man  im  Handel  von  Muscheln ­
  ohne  nähere  Bezeichnung  spricht.  Man
findet  sie  in  fast  allen  Meeren  Europas,  namentlich ­
  in  der  Nordsee  und  Ostsee  auf  Sandbänken.
In  einigen  Gegenden  werden  sie  gezüchtet,  indem
man  verzweigte  Holzstämme  (Muschelbäume)  in
den  Meeresboden  versenkt,  so  daß  sie  ganz
vom  Wasser  bedeckt  sind.  An  diese  Stämme
und  Zweige  setzen  sich  die  Miesmuscheln  an.
Biese  Zucht  wird  z.  B.  in  der  Kieler  Bucht,
ferner  bei  Esuandes  in  Frankreich  (schon  seit
(fern  13.  Jahrhundert),  im  Meerbusen  von  Tarent,
bei  Venedig  usw.  betrieben.  Man  versendet  die
Miesmuscheln  auch,  mit,  Essig  übergossen,  in
Bläser  eingesetzt.  M.  aus  unreinen  Gewässern
s md  zuweilen  giftig.  Das  im  Kriege  zur  Her-Stellung
  von  Brotaufstrich,  Würsten  und  Sülzen
V'elbenutzte  Fleisch  hat  nach  unserer  Analyse
mlgende  Zusammensetzung:  Wasser  82,2  °/o,  Stickst
 offsubstanz  n,2°/o,  Fett  1,2  °/o,  Kohlenhydrate
4 ’ 0 %,  Salze  1,40/0.  —  Von  der  Herzmuschel
Werden  zwei  Arten  genossen,  die  große  oder
stachelige,  Card  ium  echinatum,  namentlich
a n  der  englischen  Küste  und  im  ganzen  Nordsee-Sebiete,
  und  die  kleinere,  Cardium  edule,
ebendaselbst  und  auch  in  der  Ostsee.  Über
Muschelwaren  siehe  Perlmutter.
Musivgold  (unechtes  Malergold)  besteht
aus  einer  Verbindung  von  64,9  °/o  Zinn  und
3 ?’t°/o  Schwefel,  Doppelschwefelzinn.  Zur  Verenigung ­
  der  beiden  Elemente  gibt  es  verschieene
  Verfahren,  die  mehr  oder  weniger  schöne
Zeugnisse  liefern.  Man  stellt  z.  ß.  ein  AmalqP
  aus  vier  Teilen  Zinn  und  zwei  Teilen
Quecksilber  her  und  erhitzt  es  nach  dem  Veraschen ­
  mit  2V2  Teilen  Schwefel  und  zwei
m'en  Salmiak  im  Sandbade  anfänglich  schwäv^ß.,
  später  stärker.  Salmiak  und  Quecksilber
flüchtigen  sich,  und  das  M.  sammelt  sich  am

Boden  und  an  den  Wandungen  der  Retorte  in
Form  schön  goldglänzender,  der  echten  Goldbronze ­
  sehr  ähnlicher  Flitter  an.  Es  wird  sowohl ­
  in  trockener  Form  zum  Bronzieren,  als
auch  zu  Siegellack,  in  Gummi  abgerieben
oder  in  Firnis  zum  Malen  goldähnlicher  Verzierungen ­
  verwandt.  —  Das  Musivsilber,  das
in  ähnlicher  Weise  zu  falschen  Versilberungen
dient,  ist  ein  Amalgam  von  Zinn,  Wismut  und
Quecksilber.  Drei  Teile  Zinn  werden  mit  drei
Teilen  Wismut  und  Quecksilber  zusammengeschmolzen. ­
  Die  Legierung  wird  gepulvert  und
mit  1V2  Teilen  Quecksilber  verrieben,  bis  das
Ganze  zu  einem  silberfarbigen  Pulver  verbunden
ist,  das  mit  Eiweiß,  Gummilösung  oder  Firnis
zum  Drucken,  Malen  und  Schreiben  benutzt
wird.  Man  bezieht  beide  Waren  von  Nürnberg,
Fürth,  Augsburg  und  München.
Muskarin.  Diesen  Namen  führen  zwei  ganz
verschiedene  chemische  Verbindungen.  I.  Ein
seit  1885  bekannter  Oxazinfarbstoff,  der  durch
Einwirkung  von  salzsaurem  Nitrosodimethylanilin
auf  Alphadioxynaphthalin  erhalten  wird  und
als  braunviolettes,  in  heißem  Wasser  lösliches
Pulver  in  den  Handel  kommt.  Das  M.  färbt
mit  Brechweinstein  und  Tannin  gebeizte  Baumwolle ­
  blau.  2.  Das  giftige  Alkaloid  des  Fliegenpilzes ­
  (Agaricus  muscaricus),  C 6 PI 16 N0 3 ,
das  auch  synthetisch  dargestellt  werden  kann
und  in  Form  seines  schwefelsauren  Salzes  beschränkte ­
  Anwendung  in  der  Augenheilkunde
gefunden  hat.
Muskatblüte  (Mazis,  Folie,  Forlie,  lat.
und  frz.  Macis,  engl.  Mace)  nennt  man  den
Samenmantel  (Arillus)  des  echten  Muskatnußbaumes ­
  (Myristica  fragrans,  frz.  Muscadier,
  Musquö,  engl.  Nutmeg,  Musky),  eines
10—-15  m  hohen  Baumes,  der  auf  den  Bandainseln ­
  heimisch  ist  und  in  den  meisten  tropischen
Gegenden  Asiens  und  Südamerikas  angebaut
wird.  Die  Bäume  tragen  vom  9.  bis  in  das
80.  Jahr  hinein  Früchte,  von  denen  in  der  Zeit
der  Vollkraft  bis  2000  Stück  das  Jahr  geerntet
werden.  Die  Früchte  enthalten  in  einer  fleischigen, ­
  später  lederartig  werdenden  Hülle  je  einen
Samen,  der  von  einem  zerschlitzten  Samenmantel
umgeben  ist.  Der  letztere,  im  frischen  Zustande
ein  fleischiges,  karminrotes  Häutchen,  wird  nach
der  Beseitigung  der  Fruchtschale  abgezogen  und
an  der  Luft  getrocknet  und  bildet  dann  eine
hornartige  zerbrechliche  Masse  von  orangegelber,
Farbe  und  feurig  gewürzhaftem  Geruch  und  Geschmack, ­
  Als  Unterabteilungen  unterscheidet
man  je  nach  der  Art  der  Gewinnung  bisweilen
Klimmfolie  von  gepflückten,  Rangfoiie  von
abgefallenen  und  Gruis-  oder  Stoff-Foiie  von
halbreifen,  minderwertigen  Früchten.  Die  M.
enthält  nach  König;  9,65%  Wasser,  5,30  °/o
Stickstoffsubstanz,  6,66  %  ätherisches  Öl,  24,63  °/o
Fett,  44,81%  stickstofffreie  Extraktstoffe,  6,31%
Rohfaser  und  2,64%  Asche.  Der  Gehalt  an  ätherischem ­
  öl  soll  nach  den  „Vereinbarungen“
mindestens  4,50%  betragen,  der  Aschengehalt
3  %  und  der  Sandgehalt  o,s  %  nicht  übersteigen.
Das  Gewürz  ist  Verfälschungen  durch  Zwieback,
Mehl,  Kurkuma,  Olivenkerne  und  andere  Abfälle
in  hohem  Grade  ausgesetzt,  deren  Nachweis  mit
Hilfe  des  Mikroskops  unschwer  gelingt.  Besonders ­
  aber  hatte  sich  vor  mehreren  Jahren
            
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