Da
sich unter den ein gegebenes Phänomen beherrschenden Ursachen
nur eine einzelne wesentliche Ursache findet, während die übrigen
als zufällig betrachtet werden müssen, dies sein, daß eine Teilung
des Materials Gruppen ergibt, deren Durchschnitte sich mit An-
näherung exponentiell um einen gewissen Normalwert verteilen und
sich nicht voneinander durch Beträge unterscheiden, welche ein
Vielfaches des mittleren Fehlers der Differenz sind. Wenn es da-
gegen bei einer Einteilung, welche nach individuellen Kenn-
zeichen vorgenommen werden kann (vgl. z. B. 8 186), umge-
kehrt möglich ist, Gruppen hervorzubringen, deren Durchschnitte
wesentlich voneinander abweichen, dann muß angenommen werden, daß
sich in der einen Gruppe Ursachen geltend machen, welche nicht in
einer anderen vorhanden sind. Welches diese Ursachen sind, wird
dann zu einer neuen Frage, über die man in einigen Fällen nicht
im Zweifel zu sein braucht, während es in anderen notwendig sein
wird, zu diesem Zweck neue Untersuchungen und Beobachtungen
anzustellen.
Aufgabe 50. In der Geburtsklinik des Reichshospitals in Kopenhagen
wurde untersucht, ob die Behandlung der nährenden Mütter mit einem Spezial-
präparat „O0“ das Wachstum (Gewichtzunahme) vom 3. bis zum 10. Tage fördere.
In 208 Fällen, in denen die Mutter mit diesem Präparat behandelt wurde,
voetrug die durchschnittliche Gewichtzunahme 150,2 g; die 208 Gewichtzunahmen
verteilten sich nach der Größe ungefähr exponentiell mit einem mittleren Fehler
von 98,4 g um diesen Durchschnitt.
In 420 Fällen, in denen keine O-Behandlung stattfand, war die durch-
schnittliche Gewichtzunahme 139,4 g. Diese 420 Beobachtungen verteilten sich
ebenfalls annähernd exponentiell um den Durchschnitt mit einem mittleren Fehler
von 92,0 g.
Kann man auf Grund dieser Beobachtungen schließen, daß die O-Behand-
lung in der ersten Woche die Gewichtzunahme fördert ?
163. Hinsichtlich der Richtigkeit der hier angestellten Be-
trachtungsweise ist zu bemerken, daß sich dafür weder Beweise noch
Gegenbeweise erbringen lassen. Dadurch, daß man in der an-
gegebenen Weise die Größe eines vorgefundenen Unterschiedes ent-
scheidend dafür sein läßt, ob man den Unterschied als groß genug
zur Begründung des Vorhandenseins von besonderen Ursachen in
der einen Gruppe ansehen will, und daß man im übrigen erklärt,
der Unterschied sei „Zufälligkeiten“ zuzuschreiben, wird nur eine
zewisse Abgrenzung des Begriffes „zufällig“ herbeigeführt; was
hierbei als zufällig betrachtet wird, braucht natürlich nicht damit
übereinzustimmen, was man in anderen Verbindungen mit diesem
Ausdruck bezeichnet. Weiter unten soll hierfür ein Beispiel gegeben