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gesetz, welche oben ($ 180) für die Verteilung nach Körpergröße ge-
[unden wurden, wiedererkennen können, und insoweit ist schon dabei
Grund genug, die Aufmerksamkeit auf die Möglichkeit zu lenken, daß
sämtliche 299355 gemessene Personen Gruppen mit typisch verschie-
dener Durchschnittsgröße umfassen, ein Verhältnis, das auch bei der
Betrachtung der Verteilung innerhalb eines Paares von — geographisch
bestimmten — Gruppen bekräftigt wurde.
Die oben benutzten Beobachtungen über die Körpergröße sollten
nach dem Angeführten also umfangreich genug sein, es als über-
wiegend wahrscheinlich hinzustellen, daß z. B. der Unterschied zwischen
len Durchschnittsgrößen in Venedig und auf Sardinien nicht „zu-
fälligen“ Ursachen zugeschrieben werden kann; während die eigent-
liche Existenz gewisser entscheidender Gemeinursachen hiermit er-
wiesen ist, ist es natürlich noch eine offene Frage, worauf der ge-
fundene Unterschied in den Wachstumsbedingungen zuguterletzt be-
ruht, d. h. welches diese Ursachen sind; diese Frage ist im wesent-
lichen biologischer Art; sie läßt sich nicht lediglich durch eine Be-
trachtung der benutzten Beobachtungen beantworten, sondern er-
fordert ganz neue Beobachtungen, bei deren Behandlung man natür-
lich aufs neue zu der Frage veranlaßt werden kann, ob sie umfang-
reich genug sind zu entscheiden, ob dieses oder jenes Moment die
Körpergröße wesentlich beeinflußt.
186. Unter den Momenten, welche hierbei in Betracht kommen
können, spielt u. a. der Begriff der Erblichkeit eine wesentliche
Rolle als Ausdruck für die Verschiedenheiten, welche auf Verschieden-
heiten zwischen den Vorvätern der Individuen zurückgeführt werden
gönnen. Auf diese Fragen können wir hier nicht näher eingehen;
jedoch sei bemerkt, daß ihre rationelle Behandlung gerade zu Be-
irachtungen obiger Art führt!); in Anknüpfung an diese soll daher
hier eine eigenartige Aufgabe besprochen werden, welche von Galton
herrührt und an der Hand der in den $$ 183—184 behandelten Bei-
spielen beleuchtet werden kann. Das Galtonsche Problem läßt sich
folgendermaßen schematisieren: Denken wir uns, eine Bevölkerung
bestehe aus zwei gleich großen Gruppen, von denen jede ihre typische
Körpergröße hat, um welche sich die Individuen der Gruppen ex-
ponentiell verteilen, indem gewisse spezielle Verhältnisse innerhalb
1) Siehe hierüber W. Johannsen, Elemente der exakten Erblichkeitslehre,
3. Ausgabe. Jena 1926 (2. Ausg. Jena 1913).