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zu erfassen. Eine Bevölkerungsgruppe kann hinsichtlich der Sterbe-
fälle eine Verteilung ergeben, die an und für sich zufriedenstellend
scheint, d. h. welche statistische Schlüsse ermöglicht, sich jedoch
dei näherer Untersuchung als aus verschiedenen Gruppen zusammen-
gesetzt entpuppt, von denen jede ihre Verteilung, jede ihren Schwer-
punkt hat.
Viele Statistiker neigen dazu, den entgegengesetzten Weg
einzuschlagen. Nach ihrer Betrachtung liegt es näher, die fak-
tische Verteilung nach dem Einkommen einer Bevölkerung oder
lie Verteilung der Betriebe, der Viehbestände usw. zu beobachten
ınd dann Formeln aufzustellen, welche mit größtmöglicher Ge-
nauigkeit die Gliederung wiedergeben.
Die englische Schule z. B. hat manche meisterliche Versuche
lieser Art angestellt. Man hat jedoch keinerlei Sicherheit dafür,
daß sich die gefundene Form halten wird. Eine Verschiebung in
Jen wirtschaftlichen Verhältnissen, in den äußeren Lebensbedingungen
eines Volkes, wird auch die Einkommenverteilung beeinflussen. Es
muß immer zugeraten werden, die betreffende Verteilung soviel wie
möglich in ihre Komponenten aufzulösen, damit man jede für sich
studieren kann.
Etwas Ähnliches gilt hinsichtlich des überaus interessanten Ver-
suches, den Lexis machte, um sozusagen das normale Lebens-
alter!) des Menschen zu bestimmen. Eine Sterbetafel wird
in der Regel zwei stark hervortretende Maximalpunkte für die
menschliche Sterblichkeit aufweisen; betrachtet man bei den Sterbe-
fällen diejenige Altersgruppierung, die sich aus einer gewöhn-
lichen Dekrementtafel (vgl. Kap. VI) berechnen läßt, so wird sich
ergeben, daß verhältnismäßig viele im ersten Lebensjahre sterben
wonach dann die Anzahl sinkt und im Jünglingsalter ihren niedrigsten
Punkt erreicht; danach wächst die Zahl durch eine lange Periode
ler Altersskala, bis in den Greisenjahren ein Maximalpunkt erreicht
wird; auf welcher Altersstufe (das „normale“ Lebensalter) dieser
Umschlag eintrifft, hängt von mancherlei Verhältnissen, dem glück-
lichen Kampf gegen gewisse Krankheiten, vom Fortschritt in den
wirtschaftlichen Verhältnissen, von der Änderung der Lebensweise
Alkoholismus) ab, von Faktoren, die alle einen bedeutenden Einfluß
ausüben: der Maximalpunkt wird denn auch bald früher, bald
1) Zur Theorie der Massenerscheinungen 1877. Abhandlungen zur Theorie
Jer Bevölkerungs- und Moralstatistik. Jena 1903. S 111ff