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trug, so wird man sich schwierig vorstellen können, daß nicht auch
im Vergleich mit der lebenden Bevölkerung in dieser Klasse mehr
Personen an Pocken sterben sollten als in der erstgenannten. Dies
ist selbstverständlich nur ein Wahrscheinlichkeitsbeweis, aber im ge-
samten System der Sterblichkeitserfahrungen wird ein solcher nicht
ohne Bedeutung sein.
Mitunter wird man auch ein einseitiges Material ausnutzen
können, wenn eine deutliche Anhäufung um gewisse Punkte statt-
findet. Eine solche Anhäufung pflegt nicht in der Sterbefall-
statistik vorzuliegen; man hat gerade hier zwei Gruppen, eine,
die sich um das Kindesalter und eine, die sich um das Greisenalter
konzentriert; ein gemeinsamer Durchschnitt für diese zwei Gruppen
gibt streng genommen keinen Sinn. Anders, wo es sich z. B. um
Trauungen handelt; diese sammeln sich um gewisse Altersjahre,
und man wird in der Regel mit der nötigen Vorsicht Schlüsse aus
den Verschiebungen im durchschnittlichen Heiratsalter ziehen können,
So z. B. wenn man die Verschiebungen im Heiratsalter vom einen
Zeitpunkt zum andern vergleicht. Hinter solchen Schlüssen liegt
die Voraussetzung, daß sich die Altersgliederung der betreffenden
Bevölkerung nicht sehr verschieden stellt. Daher zerreißt auch der
Zusammenhang, wenn man z. B. die Eheschließungsverhältnisse für
Junggesellen und Witwer miteinander vergleicht.
B. Die Methode der berechneten Anzahl.
340. Selbst wenn das zur Verfügung stehende Material nicht
einseitig ist, also wo wirklich zwei Beobachtungsreihen miteinander
verglichen werden können, wird man oft auf Schwierigkeiten stoßen.
Wie oben erwähnt, wird es häufig geschehen, daß die eine Reihe
von Beobachtungen sich nicht ebenso tief und in gleicher Weise
wie die andere spalten läßt, wie es z. B. der Fall ist, wenn man
anläßlich einer Sterblichkeitsuntersuchung die Verteilung der be-
trachteten Bevölkerungsklassen, jedoch nicht die Gliederung der
Sterbefälle nach dem Alter kennt. Es ist dann natürlich ausge-
schlossen, die Lebe- oder Sterbewahrscheinlichkeiten für die einzelnen
Klassen zu bestimmen und auf diese Weise den Verschiedenheiten
in der Sterblichkeit und ihren Ursachen auf die Spur zu kommen.
Direkt kann man nur die relative Häufigkeit von Sterbefällen für
sämtliche Altersklassen als Ganzes berechnen; diese Verhältniszahlen
aber werden, wie wir im $ 287 sahen, im allgemeinen nicht die Frage
beantworten können. weil sie außer von der Größe der Sterblich-