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Einige Zygoten werden sehr wenige A-Elemente, aber viele a-Ele-
mente erhalten und umgekehrt. Man könnte sich dann vorstellen,
daß sich die betreffende Eigenschaft erst dann geltend macht, wenn
eine passende Anzahl von a-Elementen vorhanden ist. Ein Indi-
viduum mit wenigen a-Elementen wird vielleicht anscheinend
als völlig rein auftreten; es sind allerdings Keime vorhanden, und
unter ungünstigen Bedingungen bricht die Eigenschaft durch, sogar
bei Geschlechtsverbindungen mit anderen anscheinend gesunden Indi-
viduen; man spricht dann von einer Degeneration der Familie,
während andere Mitglieder derselben relativ günstige Verhältnisse
aufweisen. Es ist ebenfalls möglich, daß sich die einzelnen Stufen
der betreffenden Eigenschaft erkennen lassen, daß sich eine größere
oder kleinere Anzahl von A-Elementen als größere oder geringere
Begabung in dieser oder jener Richtung ergibt, daß sich mit anderen
Worten eine kontinuierliche Skala aufstellen läßt.
Ferner kann man sich vorstellen, daß sich beide Geschlechter
gewissen Elementen gegenüber verschieden verhalten, sodaß z. B. die
männlichen Zygoten weniger a-Elemente als die weiblichen enthalten,
and es entsteht dann die Möglichkeit dafür, die springende Über-
iragung von Eigenschaften (z. B. der Farbenblindheit) zu verstehen.
Jedenfalls wird ermittelt, daß die Wahrscheinlichkeitsrechnung hin-
sichtlich der Erblichkeitslehre ein ausgedehntes Tätigkeitsfeld hat,
gleichgültig, ob man sich mit Einzelfällen oder mit Massenbeobach-
tungen befaßt. Andererseits stehen einer Untersuchung offenbar
große Schwierigkeiten im Wege, weil man häufig nicht zwischen
Heterozygoten und Homozygoten zu unterscheiden vermag.
Noch verwickelter wird das Erblichkeitsproblem dadurch, daß
die gezeugten Individuen selbstverständlich eine verschiedene phy-
sische oder soziologische Fortpflanzungsfähigkeit besitzen und daß
sich die Lebensbedingungen überhaupt äußerst verschieden gestalten.
So werden z. B. gewisse ungünstige Elemente bei den Gameten sehr
schnell ganz oder teilweise eliminiert werden, während andere länger
bestehen und die Gesellschaft bedrohen.
Ob nun diese Theorie dauernd ausreicht, das steht dahin. Aber
die Bedeutung einer solchen Theorie liegt vor allem darin, daß sie
für manche vorliegende Tatsachen eine vorläufige Erklärung gibt und
dabei zu neuen Untersuchungen anspornt, die dann ihrerseits wieder
entweder die Theorie bekräftigen oder Zweifel erwecken, um viel-
leicht zuguterletzt eine Veränderung der Theorie zu veranlassen. Es
ist nicht unmöglich, daß die Erblichkeit sehr vielen anderen Be-