Full text: Grundzüge der Theorie der Statistik

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dingungen unterliegt, die den Einfluß auf die künftigen Generationen 
weniger springend und mehr kontinuierlich gestalten werden *). 
Daß solche Studien auch zu Versuchen der Rassenverbesse- 
rung führen mußten, ist leicht erklärlich. In vielen Ländern sind zu 
diesem Zweck Gesellschaften errichtet worden, z. B. das von Galton 
zestiftete Eugenics Laboratory in London und das im Jahre 
[910 gegründete Eugenics Record Office in Amerika, die ein 
umfangreiches genealogisches Tatsachenmaterial, z. B. Stammtafeln 
für Geistesschwache, Epileptiker und Geisteskranke, gesammelt 
haben. 
386. Auch der Übergang der Physik zur Verwendung statis- 
tischer Methoden sei hier hervorgehoben; dieser Übergang ist ein 
Beispiel dafür, welch ausgedehnten Gebrauch man vom Bernoulli’schen 
Theorem machen kann, und für die für das wissenschaftliche Streben 
unserer Zeit so charakteristische Tendenz, statistische Formen an- 
zunehmen. 
Der Umfang, in dem sich die Physik dieses Jahrhunderts statis- 
vische Methoden zu eigen gemacht hat, scheint große Teile dieser 
Wissenschaft schier revolutionieren zu sollen. Doch mußte schon 
lie Annahme, daß z. B. die Wärmeenergie eines Körpers lediglich 
eine Sammlung von all derjenigen Bewegungsenergie (kinetischen 
Energie) ist, die winzigen, aber sehr schnellen Bewegungen der unge- 
mein zahlreichen Moleküle des Körpers ihren Ursprung verdankt, 
zu derartigen Betrachtungen führen. Namentlich nachdem die Vor- 
stellungen älterer Zeiten über die Moleküle der Luftarten in den 
60er Jahren des vorigen Jahrhunderts einer wirklichen Theorie wichen, 
in der das Maxwell’sche Verteilungsgesetz für die Gliederung der 
Moleküle nach der Schnelligkeit (Energie) den Grundstein bildeten, 
war allen Ernstes von einer Statistik der Physik?) die Rede. Beispiels- 
weise behauptet Maxwell bezüglich des zweiten Hauptsatzes der 
1) Siehe K. Pearson, Mendelism 'and the problem of mental defect (III, 
On the gratuated character of mental defect) 1914; ferner Johannsen (vgl. 
das Zitat auf S. 279). 
? Maxwell, der Gründer der kinetischen Wärmetheorie der Luftarten, 
scheint unter den ersten gewesen zu sein, die geradezu das Wort „Statistik“ in die 
Physik eingefügt haben: „In dealing with masses of matter, we do not perceive 
the individual molecules, we are compelled to adopt what I have described as 
the statistical method of calculation, and to abandon the strict dynamical method, 
in which we follow every motion by the calculus.“ Maxwell: Theory of heat, 
4. edit., London 1875 pag. 329.
	        
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