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der fehlerhaften bis weit ins 19. Jahrhundert hinein verwendeten
Methoden, ein Bild der Verwirrung. Zur Bestimmung der Ein-
wirkung des Berufes auf die Sterblichkeit fußte man z. B. auf Be-
obachtungen über Patienten eines Hospitals, also auf einem Material,
das vollständig aus seinem Zusammenhang mit anderen Verhältnissen
gerissen war, oder man zählte die Todesfälle innerhalb eines Er-
werbszweiges in den einzelnen Altersgruppen, um dann das Durch-
schnittsalter auszurechnen, oder man betrachtete die Altersverteilung
in einer Bevölkerungsgruppe, ohne an den Einfluß der Wanderungen
oder des Geburtenüberschusses zu denken. Ein großes Zerrbild war
das Ergebnis all dieser Untersuchungen, selbst wenn man die gleichen
Wege dazu einschlug; bald wurde behauptet, die Statistik zeige, daß
Schneider kürzer als Schuster lebten, bald war es umgekehrt; aller-
hand Behauptungen entbehrten, wie sich bei späteren rationellen
Jntersuchungen herausstellte, denn auch jeglicher Grundlage, so z. B.
die Behauptung eines Verfassers, die Lebensdauer der höheren Ge-
sellschaftsklassen Englands sei kürzer als die der durchschnittlichen
Bevölkerung. Daß man oft mit ganz außerordentlich kleinen Zahlen
operierte, machte die Verwirrung vollständig. Erst allmählich glückte
es, und namentlich bei der amtlichen englischen Bevölkerungsstatistik,
Ordnung in dieses Chaos zu bringen. Es ist eins der Verdienste
Will. Farrs, im Anschluß an die Volkszählung Untersuchungen über
lie Sterblichkeit innerhalb verschiedener Berufe in Gang gesetzt zu
haben. Hierbei ergaben sich gewisse Hauptzüge, während im übrigen
zahlreiche Ursachen, auf die man früher sehr viel Gewicht gelegt
aatte, als relativ unbedeutend aufgefaßt werden mußten.
Bei dem sich so vollziehenden starken Umschwung war es ganz
natürlich, daß manche statistischen Verfasser in vorausgefaßten Mei-
aungen befangen waren. Man kann sagen: wie die Quantitätstheorien
in der Nationalökonomie Verbreitung fanden, so ging es auch in der
Statistik. Man hatte oft die Aufmerksamkeit zu sehr auf das Ty-
pische, das Feststehende gelenkt, während man das ewig Ver-
änderliche im Leben und Treiben der menschlichen Gesellschaft
ibersah. Und wenn man mit so großer Begeisterung die inter-
nationalen statistischen Kongresse um die Mitte des vorigen Jahr-
nunderts begrüßte, so hängt das in einigem Grade mit dieser Auf-
fassung zusammen, indem man mehr an die Gleichartigkeit als an
die Verschiedenheiten des Zahlenmaterials in den verschiedenen
Ländern dachte.
Ebenso wie man sich bei einem Studium Süßmilchs ein Bild