Full text : Aperçu des moyens directs et indirects mis dans les divers pays à la disposition des acheteurs étrangers pour s'assurer de la qualité des marchandises dont ils deviennent acquéreurs dans ces pays

174  Zweiter  Teil.  Kandel.  VIII.  Der  Wettbewerb  im  Kandel  rc.
Professor  Jäger  und  Pfarrer  Kneipp  haben  wiederholt  gegen  Konkurrenzprodukte
mit  der  Bezeichnung  „System  Jäger",  „System  Kneipp"  protestiert.  —  Die  Köchster
Farbwerke  bringen  seit  einiger  Zeit  Migränintabletten  in  den  Kandel,  vor  deren  Nachahmung ­
  sie  bereits  öffentlich  haben  warnen  müssen.  —  Apotheker  Dörings  Eulenseife
wurde  durch  eine  minderwertige  Adlerseife  in  die  Enge  gettieben.  —  Modegeschäfte,
vielfach  auch  Lutmachereien,  nähen  in  Damenhüte  Kopffutter  ein,  das  den  Namen
von  imitierten  Pariser  Firmen  aufweist.  —  Eine  Strumpfwarenfabrik  in  Chemnitz
legte  den  unter  dem  Namen  „Estremadura"  geführten  Fabrikaten  ein  Kärtchen  mit
aufgewickeltem  Garn  bei,  auf  diese  Weise  den  Käufern  gleich  das  Stopfgarn  anbietend.
Die  Kärtchen  trugen  den  Namen  „Lauschildsche  Estremadura"  und  erweckten  die
unberechtigte  Annahme,  daß  die  Strümpfe  ebenfalls  aus  Kauschildschem  Garn
gefertigt  waren.
Sehr  üppige  Schößlinge  treibt  dieses  Verfahren  durch  falsche  Bezeichnung  eines
Produktes  mit  Rücksicht  auf  seine  lokale  Kerkunft.  Es  ist  unter  Fabrikanten  und
Kaufleuten  eine  beliebte  Sitte,  Waren  fälschlicherweise  mit  dem  Namen  einer  Gegend,
deren  Erzeugnisse  sich  eines  besonderen  Rufes  erfteuen,  zu  bezeichnen,  auch  wenn  sie
gar  nicht  aus  jenen  Gegenden  stammen.  So  namentlich  im  Lande!  mit  Tabak  und
mit  Wein.  Indeß  auch  zahlreiche  Genußmittel,  wie  Liköre,  Tee,  Schokoladen,  Luxusartikel,
  Parfümerien,  Seifen,  selbst  Gegenstände  des  täglichen  Gebrauches,  wie  Butter,
König,  Nudeln,  Zahnbürsten,  kommen  in  den  Kandel  mit  ganz  anderen  Kerkunftsbezeichnungen,
  als  ihrem  wirklichen  Llrsprungsorte  entspricht.  Man  denke  nur  an  die
Bezeichnungen  „Chattreuse",  „Benedittiner"  auf  deutschen  Likören,  bei  denen  sogar  in
der  Flasche  die  charakteristische  Gestalt  nachgeahmt  wird,  an  die  englischen  und
französischen  Benennungen  auf  deutschen  Seifen  und  Parfümerien  wie  „Violette  de
Parme“,  „Savon  de  Windsor“  u.  dgl.  m.
Endlich  bildet  ein  besonderes  Kapitel  der  Verrat  von  Geschäfts-und  Betriebsgeheimnissen. ­
  Dieser  kann  in  verschiedener  Gestalt  erscheinen:
1.  Arbeiter  und  Beamte,  die  entlassen  sind,  treten  in  ein  Konkurrenzunternehmen ­
  ein;
2.  Arbeiter  und  Beamte  teilen  während  ihres  Dienstes  in  gewinnsüchtiger  oder
fahrlässiger  Weise  Geheimnisse  dritten  Personen  mit;
3.  Fabrikanten,  Ingenieure  rc.,  die  zeitweilig  in  einer  Fabrik  anwesend  sind,  um
etwa  Verbesserungen  oder  Neueinrichtungen  vorzunehmen,  teilen  die  Geheimnisse,  die
sie  hierbei  in  Erfahrung  bringen,  anderen  mit.
Als  typische  Fälle  mögen  angeführt  werden:  Ein  Maschinengeschäft  entläßt  einen
Buchhalter,  der  sich  von  einem  Konkurrenzunternehmen  engagieren  läßt,  das  bald
darauf  in  einem  Fachblatte  Anzeigen  veröffentlicht,  dem  die  Maschinenabbildungen  des
früheren  Fabrikherrn  beigefügt  sind.  —  Ein  Angestellter  einer  Maschinenfabrik  macht
einer  Konkurrenzfirma  die  anonyme  Offerte,  gegen  Zahlung  einer  Provision  alle
Anfragen,  die  an  seine  Firma  gelangen,  sowie  alle  Offerten,  die  diese  macht,  abschriftlich
mitzuteilen.  —  Ein  Schlossermeister  führt  am  Sonntage,  an  dem  die  Fabrik  gerade
zum  Zwecke  dringender  Reparaturen  geöffnet  ist,  den  Techniker  eines  auswättigen
Konkurrenten  in  die  Fabrikräume  ein  und  läßt  ihn  von  allen  Einrichtungen  Kenntnis
nehmen.
            
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