staltung der Organisation der Sicherheitsbehörden und
hamentlich der Bundespolizeibehörden Oesterreichs ist —
°s darf hier wohl gesagt werden, leider — nicht erfolgt,
Wohl sind, seit dem Bestande der Republik in einigen
Bundesländern Bundespolizeibehörden errichtet, be-
ziehungsweise ausgestattet worden, so in Graz, Salz-
burg, Wiener-Neustadt, Eisenstadt, Linz und
in Klagenfurt. Auch ‚wurde die Bundespolizei-
direktion in Wien als polizeiliche Zentral-
Stelle für ganz Oesterreich hinsichtlich des Er-
kennungsdienstes, des Fahndungswesens, der Zentral-
Svidenz über staatsgefährliche Personen, der Ueber-
Wachung des Mädchenhandels, der Bekämpfung un-
Sittlicher Schriften, der Ueberwachung der Auswande-
"ungsbewegung, der Evidenthaltung der ausländischen
Automobile und Chauffeue und der Evidenthaltung der
bestraften Personen (Strafregisteramt) bestimmt. Aber
“U einem organischen Aufbau des gesamten Sicherheits-
dienstes in Oesterreich, nach dem Vorbild anderer
Staaten im Sinne einer Zentralisierung ist es bisher,
Mangels der verfassungsrechtlichen Voraussetzungen für
®ine solche Reform, nicht gekommen.
Oesterreich und die Internationalen Polizei-
kongresse.
rm vor dem ‚Weltkriege haben. die Sicherheits-
Gren, en, namentlich der großen Städte, über die
Behafıen ihres Landes hinaus, gegenseitig Verbindung
Weges” ge enter Außerachtlassung des diplomatischen
Al ma riminalpolizeiliche Mitteilungen ausgetauscht.
aus der R dem W eltkriege von dem neutralen Holland
Wirken nach einem zwischenstaatlichen Zusammen-
Appell Ken Volizeibehörden laut wurde, fand dieser
an de cn Echo. Zu sehr noch lastete die Erinnerung
Klafita cr Mhrieg auf den Gemütern, zu sehr noch
Nun wa er Riß zwischen den Staaten und Völkern.
Siherh T wohl Oesterreich und insbesondere die Wiener
internagen ehörde deshalb von der Behinderung des
bero n Verkehres der Polizeibehörden so schwer
Landes n, bp einerseits die wirtschaftliche Not unseres
Abenteurn ‚die Inflationszeit eine Unzahl internationaler
die Ger u in das Land lockte und andererseits die durch
s hüffenan frieden von St. Germain und Trianon ge-
Stunden n, willkürlichen neuen Staatsgrenzen wenige
hatten de Wien entfernt „neues Ausland” geschaffen
Schaftlich udem trennten diese Grenzen zwar die wirt-
bre cher Rn ‚Zusammenhänge, bildeten jedoch für die Ver-
Polizeipra ein Hindernis. Aus dieser Not heraus hat
behör de äsident Schober als Chef der W jener Sicherheits-
der auf nächst daran gedacht, die Sicherheitsbehörden
Staaten dd Boden der alten Monarchie entstandenen
Sprechuna rn der benachbarten Länder zu einer Be-
Schwieri 4 Anzuladen, um die allen gleich unangenehmen
Zanz 2 ber im gegenseitigen Verkehre, wenn nicht
liche Aufn Den so doch zu erleichtern. Die freund-
Weiter a me, die diese Einladung fand, ermutigte ihn,
7. Septe: De Sreilen, und er berief für die Zeit vom 3. bis
köngreg rn 1923 einen Internationalen Polizei-
ahmen ah Wien ein. An diesem Kongresse
Nordam, Vertreter der Polizeibehörden von Aegypten,
erika, Dänemark, Deutschland. Fiume, Frankreich,
sriechenland, Italien, Japan, Jugoslawien, Lettland, Hol-
and, Polen, Rumänien, Schweden, der Schweiz, der
"schechoslovakischen Republik, der Türkei und von Un-
zarn teil. Der wichtigste Erfolg dieser in jeder Hinsicht
yedeutsamen Veranstaltung war eben die Gründung der
nternationalen Kriminalpolizeilichen Kom-
nission, die den Ausgangspunkt für die weitere Ent-
vicklung der internationalen Polizei bilden soll.
Diese Kommission hielt seither weiter fünf Tagungen
b, und zwar: Vom 19, bis 21. Mai 1924 in Wien, vom
6. bis 29. April 1926 in Wien, vom 27. bis 30. Sep-
ember 1926 in Berlin, vom 6. bis 8. Juli 1927 in Amster-
lam, vom IO, bis 12. September 10928 in Bern. Ferner
vurden in der Zeit vom 27. bis 29. September 1926
n Berlin der Il. Internationale Polizeikongreß
bgehalten, der die im Jahre 1923 in Wien aufgenommene
i\ktion zielbewußt weiterführte. Der Erfolg war sehr gut.
Der Kongreß war insgesamt von 245 Delegierten von
staaten besucht, überstieg somit, was die Zahl der Be-
jucher anbelangt, fast um das Doppelte jene der Besucher
les Wiener Kongresses.
Vebrigens darf hier nicht unerwähnt bleiben, daß
auf der Großen Polizeiausstellung in Berlin
ıuch Oesterreich würdig vertreten war. Naturgemäß hatte
lie Polizeidirektion in Wien die Mehrzahl der Ausstel-
ungsobjekte gebracht. Das Interesse der Besucher richtete
ich vorzüglich auf die Darstellung des Moulageverfah-
;ens, einer wichtigen Errungenschaft der letzten Jahre.
Polizeiliche Fürsorgearbeit.
Die Polizeiorgane kommen oft in die Lage, Kinder und
ugendliche aufzugreifen und vorübergehend in ihre
)bhut zu nehmen, weil andere Behörden und Anstalten
icht sofort in Anspruch genommen werden können:
rüher mußte die Polizei solche hilfsbedürftige Kinder
ınd Jugendliche vorübergehend in den Polizeiarresten
der in anderen Warteräumen auf einige Zeit unter-
ringen Jassen. Die Verwahrung von Kindern und
ugendlichen im Polizeiarreste war aber naturgemäß stets
nit einer sittlichen Gefährdung verbunden. In dem Be-
treben, die Jugend vor der Kriminalität zu bewahren,
etzte bereits im Jahre 1910 der damalige Polizeipräsi-
'lent die Errichtung eines polizeilichen Jugend-
‚eimes durch. Es wurde in ein der Gemeinde Wien
sehöriges Haus, IX., Hahngasse 8-10, verlegt und hatte
lie Bestimmung, den unbescholtenen und besserungs-
ähigen Jugendlichen Aufnahme zu bieten. Gegen Ende
les Weltkrieges waren die Mittel zur Führung des
Jeimes erschöpft und so sah sich der Polizeipräsident vor
lie Notwendigkeit gestellt, das Heim entweder aufzulassen
»der die Mittel zur Fortführung durch eigene Initiative
‚u beschaffen. Dies gelang ihm auch im Wege privater
Zuwendungen. Daher stellt das polizeiliche Jugendheim
uch heute noch eine Wohlfahrtseinrichtung des
’olizeipräsidenten, nicht aber eine solche des
sundes dar. Im Jahre 1924 wurde eine polizeiliche
Interkunftsstelle für obdachlose Frauen und
Aädchen im Polizeigebäude auf der Roßauer Lände
seschaffen. Im Jahre 1924 waren in dieser Wohlfahrts-
instalt 055 Personen durch insgesamt 4071 Tage unterge-
‚racht. Im Jahre 1927 war die Zahl der Aufgenommenen
yereits auf 2004 mit 13.447 Verpflegstagen gesticgen.
106 Personen wurde eine Stelle, 220 eine Wohnung be-