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Ganz abgesehen hiervon, erscheint es indessen durchaus un
angebracht, wie Dernburg zutreffend hervorhebt, in Deutsch
land bei der Empfehlung einer Kapitalanlagevorschrift auf das
Ausland Bezug zu nehmen, denn obwohl hier seitens einer
Reihe von Korporationen Staatspapierbestände in großem Um
fang gehalten werden, ist auch hier der Kurs jener Anleihen
starken Rückgängen unterworfen gewesen. Die englischen
Konsols sind bis auf 74 o/o (am 19. Juli 1912) gesunken und
haben damit einen Tiefstand erreicht wie kaum je zuvor. Eben
so ist die französische Rente im Kurse erheblich gewichen.
Wenn dies’ aber der Fall ist, obwohl dort eine stärkere Nachfrage
nach Staatspapieren besteht und Versicherungsgesellschaften,
Banken, Sparkassen usw. in England ungeheure Mengen von
Konsols, wie Biermer betont, aufzunehmen gewohnt sind,
und deren schnelle Überführung in feste Hände gesichert ist,
so ist nicht erfindlich, wie dem Kursrückgang in Deutschland
dadurch Einhalt geboten werden sollte, daß für einen im
Vergleich zu den jährlichen Neuemissionen und zu der Höhe
|der fluktuierenden Werte geringfügigen Betrag von 200 Mil
lionen Mark jährlich feste Käufer auf dem Wege des Kapital
anlagezwanges gefunden! werden. Dies um so weniger, als nach
den Ausführungen des preußischen Ministers von Rhein
baben im Herrenhaus in Deutschland etwa 13 Milliarden fluk
tuierender Werte, d. h. in den Händen des privaten Publi
kums seien, die, wenn sich eine günstige Konjunktur biete,
wieder auf den Markt zurückströmten. 1 ) Was bedeutet diesen
Staatspapierbeständen gegenüber ein Betrag von höchstens 200
Millionen Mark im Jahre, d. h. 1 / 3 bis der jährlichen Neu
emissionen in Staatspapieren!
Ferner wird meist nicht berücksichtigt, daß diese Bevor
zugung der Staatspapiere seitens der Versicherungsgesell
schaften in England und Frankreich, auch wenn sie freiwillig
erfolgt, die Regierung jener Länder zwingt, auf ihre Geldgeber
Rücksicht zu nehmen, für Stabilität des Staatspapierkurses
Sorge zu tragen und Maßnahmen zu meiden, die ihn herab
zudrücken geeignet sind. Diese Verantwortung der Regie-
9 Biermer, a. a. O. S. 11.