Full text: Die Konsumtion

Allgemeine Statistik der Konsumtion. 
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§ 5 
Kaffee, Milch, Bier) wiederkehrt *) und durch den Mehrkonsum einer schmalen 
Oberschicht allein nicht erklärt werden kann * 2 ). 
Sehr unsicher ist auch die Berechnung des Milch-, Butter - und Käse 
konsums, weil von den Berechnungsfaktoren der inländischen Produktion mit Sicher 
heit bekannt nur die Zahl der Milchkühe ist. Viel Sorgfalt hat man auf ihre Berech 
nung namentlich in England gewandt 3 4 ). 
Der Lebensmittelverbrauch einzelner Städte ist insoweit leicht zu 
berechnen, als es sich um gemeindesteuerpflichtige Artikel handelt. Die kommunale 
Lebensmittelbesteuerung gehört aber meist der Vergangenheit an und ist im Deut 
schen Reiche seit 1910 verboten. Die Berechnung mit Hilfe der Zufuhrstatistik 
ist ein fragwürdiger Ersatz. 
Der technische Konsum gehört weniger in die Statistik der Konsum 
tion als der Produktion. Von dem schnell wachsenden technischen Verbrauch von 
Kohle und Eisen ohne weiteres auf bessere Lebenshaltung zu schließen, ist natürlich 
nicht zulässig; „Eisenfresser“ sind unsere Konsumenten nicht. Immerhin ist für den 
Kleidungsbedarf von Interesse, daß der Verbrauch roher Baumwolle pro Kopf von 
€,34 kg jährlich im Jahrfünft 1836—40 sukzessive bis auf 7,6 kg 1912 gestiegen ist; 
dabei trat aber die Baumwolle großenteils an die Stelle anderer Textilstoffe. Doch 
hat auch der Verbrauch von Wolle und Jute schnell zugenommen, so daß eine starke 
Verbrauchszunahme der Textilstoffe im ganzen feststeht. Die nächste Ursache 
der Zunahme ist bei den drei genannten Textilstoffen der starke Preisfall; ihm ent 
x ) Ebendort S. 823 f. (Feig). Bei diesen andern Artikeln sind die Differenzen eher zu 
verstehen. 
2 ) E ß 1 e n (Fleischversorgung, Anlage 20) berechnet den Fleischverbrauch der Jahre 
1904—11 auf durchschnittlich 45,1 kg Schlachtgewicht pro Kopf, gegenüber 52,3 kg der amt 
lichen Statistik. Rechnet man mit Eßlen (S. 42 f.) für Wild- und Geflügelfleisch noch 
2 kg und für die im Schlachtgewicht nicht enthaltenen eßbaren Eingeweide usw. 10% hinzu, 
so kommt man auf 51,8 kg Fleisch und Fleischfett; (nach Rubners Ansatz von 22,6 statt 10% 
Zuschlag — 1913, S. 108 — erhält man 57,7 kg). Um aus dieser Bruttozahl die Fleischmenge 
zu gewinnen, die der Konsument kauft, muß man erstens das Gewicht des Fleischfetts ab- 
:ziehen, das der Schlächter gesondert verkauft, und zweitens den Gewichtsverlust, den das Fleisch 
beim Schlächter erleidet: durch Trocknen, Räuchern, Einpökeln, Ausschälen, letzteres na 
mentlich in der Großstadt ins Gewicht fallend. Eßlen rechnet höchstens 30% des Schlacht 
gewichts als Fettgehalt, die er ganz abzieht, Rubner 35% des ganzen Fleisch- und Fettge 
wichts, von denen aber nicht mehr als 17% vom Schlächter abgetrennt würden. Den andern 
Gewichtsverlust berechnet Eßlen nicht, während Rubner als Unterschied von Rohfleisch 
und Reinfleisch 20% abzieht. Nach E ß 1 e n s Ansätzen käme man zu 42,4 kg Konsumenten 
fleisch, nach denen Rubners zu 38,3 kg. Wählt man überall die ungünstigsten Ansätze 
aus, so bleiben nur 35,8 kg Konsumentenfleisch. Nach B a 11 o d (Verwaltung und Sta 
tistik 1912, S. 365) war 1911/12 der absolute Fleischkonsum infolge Futtermangels noch um 
12—20% niedriger als 1910/11, trotz steigender Bevölkerung. — (Bei dieser Berechnung sind 
.außer Betracht geblieben der Konsum an Fischfleisch, nach Eßlen 3%—4 kg netto, und an 
tierischem Eiweiß in der Milch, im Käse und in den Eiern; der Eierkonsum dürfte wenigstens 
4 kg erreichen.) 
Dagegen kamen nach der noch zu erwähnenden umfangreichen Reichserhebung von 1907 
;nur 21,2 kg Fleischverbrauch und 27,5 kg Fleisch- und Wurstverbrauch auf den Kopf der Ar 
beiterfamilie, 27,3 kg Fleischverbrauch und 33,7 kg Fleisch- und Wurstverbrauch auf den 
Kopf der Lehrer- und Kleinbeamtenfamilie. (Der Verbrauch an Fischfleisch kann nach dem 
Einkaufswerte vielleicht noch 2 kg betragen haben.) Die abweichenden Zahlangaben bei 
Eßlen, Fleischversorgung, S. 45, beruhen auf einem Mißverständnis. 
Bei dieser Erhebung fehlen allerdings die etwa in der eigenen Wirtschaft produzierten 
und die im Gasthause verzehrten Fleischmengen. Sie sind dagegen angerechnet bei einer 
.auf 320 Haushalte erstreckten Aufnahme des Deutschen Metallarbeiterverbands (veröffent 
licht 1910); nach ihr war der Fleischverbrauch ohne den Wurstverbrauch 25,1 kg. 
Die Angaben der Haushaltsstatistik sind durch die verhältnismäßig große Zahl der Kinder, 
die kleine der unverheirateten jungen Leute etwas herabgedrückt; sie würden sonst an die 
niedrigste Berechnung der allgemeinen Konsumziffer wohl ungefähr heranreichen. Erwägt 
man, daß in der allgemeinen Ziffer einerseits der niedrige Fleischverbrauch der ländlichen 
Bevölkerung, andererseits der sehr hohe der bemittelten Oberschicht mit enthalten ist, so 
ist ihre Abweichung von der Haushaltsstatistik nicht mehr auffällig. 
3 ) Journal of the Royal Statistical Society, London, namentlich 1902. 
Sozialökonomik. II. 
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