Full text: Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

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DEUTSCHLAND. — Kurhessen (Finanzen). 
Finanzgeschichtliches. Die Einkünfte des Kassel’sehen Gebietes 
schätzte man 17bG auf 1000,000 Thlr., wozu noch */% Mill, aus Hanau 
kam. Bekannt ist der Soldatenverkauf an England. Der (katholisch ge 
wordene) Landgraf Friedrich II. erhielt 1770 — S1 für 22,000 Mann 
(durchschn. à 978 Thlr.) *) 2 l’270,778 Th Ir. ; die Ausrüstungs- und 
Löhnungskosten hatten 9’599,539 betragen, so dass ein Gewinn verblieb 
von 11’737,239 Thlr. Mit diesemGelde ward vortheilhaft gewirthschaf- 
tet ; der zum Hofagenten erhobene alte Rothschild legte damit den 
Grundstein zu seinem »Hause.« Der Landgraf aber hinterliess ein Ver 
mögen von 50 Mill, fl., zumal er auch die während des siebenjährigen 
Kriegs von England bezahlten Subsidien nur zumTheil an das Land ab 
gab. Vergebens hatten die Stände geltend zu machen gesucht, dass selbst 
nach einer Entscheidung des höchsten Gerichts von 1705 auch das Kam 
mergut Staatseigenthum sei. 
Die Einkünfte des r>Königreichs Westfalens betrugen 9% Mill. Thlr.; 
die Ausgaben 1808; 37’375,000 Fr.; die Schuldenmasse schon damals 
112 007,750 Fres.! Es gab freiwillige und gezwungene Anlehen, und 
der Curs der Staatspapiere sank bis auf 50 Procent. 
Nach der Restauration Fortdauer der Finanzzerrüttung. Das Mili 
tär wurde auf 2000 M. ierabgebracht ; glelchwol musste das Land ebenso 
viel dafür bezahlen, wie 1800, als das Heer 20,000 M. betrug. Die 
Stände begehrten 1815 Einsicht in den Stand der Kriegscas.se ; dieses 
ward verweigert ; man erfuhr aber, dass die Casse Schuldscheine über 
1 % Mill. Thlr. zu Gunsten der Cabinetscasse ausgestellt hatte und ver 
zinste. Das erste Budget in der constitutioneilen Periode, 18*ysa, schloss 
mit einem Deficit von l’015,890 Thlr. ln der Verfassung von 1830 
ward zugestanden, dass nur die Hälfte des Schatzes als Staats vermögen 
angesprochen werde. Und doch setzte sich der Kurfürst alsbald in den 
Alleinbesitz der Rothenburger Quart. — In der Neuzeit erhob Bayern 
Entschädigungsansprüche für die 1850 erfolgte Sendung von Executions- 
truppen. Der Kurfürst antwortete mit einer Gegenforderung. 
Schulden. Der, meistens sehr ungenau angegebene Stand ist nach 
zuverlässiger Privatmittheilung) Ende 1801 ; 
1) 3%proc. Anlehen in Folge Finanzgesetzes v. üct. 1S33, ur- 
sprüngl. 1'205,850 Thlr., Rest nach den meist durch Ablösungs- 
capitalien bewirkten Abtragungen) noch Thlr. 030,050 
2) 4%proc. Anl. in Folge Ges. v. Dec. 1840, ur.spr. 1 Mill., Rest 
3) Rest des 1852 auf Grund eines Finanzmimst.-Beschlusses 
aufgen. 4' ¡proc. Anlehens von 1 % Mill., wovon seit 30. Sept. 1858 
jáhrl. y* Proc, mit 7500 Thlr. zur Rückzahlung gelangt s. unten, . 
4) Rest eines gleichen Anlehens v. 1858, betragend 1'2 Mill., 
mit ‘/. Proc. = 0000 Thlr. Rückzahlung seit 1. Aug. 1858 . . . 
5* Staatslotterieanlehen von 1845 (s. unten) 1805 
0) 4" 0 Anlehen zu Eisenbahnbauten v. 1803, Nominalbetrag 10’, 
wovon eingezahlt etwa 5'000,000 
7) Unverzinsl. Papiergeld, laut Ges. v. 24. Juni 1803 . . . . 1'500,000 
Zusammen 14’400,070 
wogegen das Activcapitalvermögen, dessen Jahresertrag im Budget angegeben, 
in Betracht kommt. 
400,400 
0’80'J,02‘» 
') Nach anderer Notiz lieferte er 10,992 M , wovon 0500 umkamen.
	        
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