Full text: Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

276 DEUTSCHLAND. — Mecklenburg-Schwerin (Land und Leute). 
Sociales. In dem (mit Ausnahme Hanau’s etc.) durch Zunftzwang 
belasteten Kurhessen tritt uns, wie in Bayern, die Erscheinung entge 
gen, dass die Gewerbe mehr übersetzt sind, als wo volle Gewerbefreiheit 
besteht. Während in Preussen und der Rheinpfalz erst auf 17 Ein 
wohner ein Handwerker kommt, trifft in Kurhessen einer schon auf 14. 
Und doch steht hier die gewerbliche Production nach Quantität und 
Qualität zurück. »In Preussen gab es IS ld h 151 studirte Staatsdiener, 
mit Ausnahme der Advocaten, Geistlichen, Aerzte, Professoren etc., — 
in Kurhessen in demselben Jahre 442 Beamte der nemlichen Kategorien. 
Hienach kommen in Preussen auf 100,000 Menschen 41, in Kurhessen 
59 studirte Beamte.« (Hildebrand, Landtagsantrag vom 5. December 
1S49.) Unter den 1859 ausgewanderten 224 1 Individuen befanden sich 
492 gerichtl. verfolgte Recrutirungspflichtige und mehr als 600 Jüng 
linge zwischen 16 und 20 Jahren, die noch nicht verfolgt werden konn 
ten. (Bei der Aushebung von 1863 haben sich von den Pflichtigen nicht 
gestellt: im Landrathsamte Kirchhain 29, in Schaumburg 45, in Hanau 
28, in Gelnhausen 22, in Rotenburg 36 etc.) 
Eisenbahnen (anf. 1863) 44% Meil., dav. 19,6 Staatsb. 
Viehstand (1859): 41,671 Pferde, 202,409 St. Rindvieh, 500,217 
Schafe, 143,490 Schweine, 45,254 Ziegen. 
Maasse: Der Fuss = 28,77 Centimeter oder 11 Zoll preuss. — 15 kurh. 
Pfund = 14 Zollpfund; der Centner 108 Pfund. 
10. x^Icckleiibiirg-Schweriii (Grossherzogthum)*. 
Areal 244 Q.-M., wovon die 329 Seen etwa 12 Q.-M. einneh 
men. BevfSlherung 1863 551,761 (1862 zählte man 269,795 männl., 
281,966 weibl.) E.; auf die (4.-M. nur 2263. Da hier das mittelalter 
liche Feudal wesen for ter halten wird, so ist blos der kleinste Theil des 
Landes unmittelbar der Staatsgewalt unterworfen ; weitaus das Meiste 
steht unter der Herrschaft des noch quasi-souveränen Ritterthums. Die 
Vertheilung war I 862 folgende : 
Landesherrl. Domaniuni . . 
Klostergüter 
995 ritterschaftl. Güter**) . . . 
40 Stadtgebieten. Kämmereigüter 
Q.-M. Bevölk. Confessionen (ls«2) : 
l05'/z 207,105 Lutheraner 547,530 
8 9,082 Reformirte 202 
103'/, 137,382 Katholiken . 908 
27 198,192 Juden. . . 3,121 
Städte: Schwerin 23,233, Rostock 20,396, Wismar 13,128, Güstrow 10,501, 
Parch im 7142, Bützow 4588, Malchin 4547, Ludwigslust 4310, Doberan 4009. 
1820 1830 1Ö39 1851 1854 1858 
Frühere Volkszahl: 393,320 448,008 504,150 543,337 540,204 542,148 
Aus dem so dünn bevölkerten Lande fanden in der Neuzeit mas 
senhafte Auswanderungen statt, so dass die Volkszahl von 1851 — 54 
sogar Verminderungen erlitt. Da der Ueberschuss der Geburten über die 
*) Vergl. »Beiträge zur Statistik Mecklenburgs; vom grossh. statist. 
Bureau in Schwerin.« 3 Bände; letztes Heft v. 1803. 
**) Hievon 028 Lehen und 307 Allodien.
	        
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