Full text: Naturalwirtschaft und Geldwirtschaft in der Weltgeschichte

106 
fachsten Weise entsprochen werden kann”*), zumal sie auch durch 
ihre Prägefähigkeit vor Betrug und Fälschung leicht geschützt 
werden können (technische Vorteile). Zugleich werden hier auch 
die dem reinen Naturaltausch entgegenstehenden Schwierigkeiten 
zur Erklärung vorgebracht, insbesondere daß nicht immer Nach- 
frage und Angebot in entsprechenden Bedarfsmengen da und dort 
produzierter Sachgüter gleichzeitig zusammentreffen. 
Begreiflich, daß in dieser Anweisung für den Kaufmannsstand 
auch der Kapitalismus zu Worte kommt: Der Großkaufmann, 
der Waren nach der Preiskonjunktur (Baisse) stapelt, um sie 
zurückzuhalten und mit Gewinn abzusetzen, sobald die Preise 
gestiegen sind’*). Keineswegs ist nur das Bedarfsdeckungsprinzip 
hier richtunggebend, sondern überall das Gewinnstreben sichtlich 
führend und eine Überschußproduktion zum Zwecke gewinn- 
bringenden Absatzes vorhanden. Auch der Zwischenhandel tritt 
nicht so sehr zum Zwecke wirklicher Vermittlung zwischen 
Produzenten und Konsumenten oder aber räumlich getrennter 
Handelsgebiete auf, sondern erscheint ebenso durch die berufs- 
mäßige Absicht auf Profit geleitet’®): Möglichst billiger Aufkauf 
von Waren, um sie später oder anderwärts teurer wieder ab- 
zusetzen”®). 
Stellt also dieses Werk und diese ganze Literaturgattung ein 
Spiegelbild der Geldwirtschaft dar, so wäre es m. E. verfehlt, 
daraus auf einen völligen Mangel an Naturalwirtschaft schließen 
zu wollen. Hier muß die Eigenart und Provenienz der speziellen 
Quelle, bzw. Quellengattung Berücksichtigung finden. Dieses Werk 
hat ebenso die bestimmte Absicht, Ratschläge und Winke für 
den Kaufmann zu geben, wie es ihm fern Negt, sich über die 
Landwirtschaft oder agrarische Verhältnisse zu verbreiten. Sie 
werden nur ausnahmsweise zu Vergleichszwecken oder antithetisch 
gestreift. So wird bei der Warnung, sein Vermögen in Sachen 
anzulegen, die man nicht versteht, geradezu als Beispiel an- 
geführt”): „Wenn einer Geld anlegt in einer Dorfflur, die er 
nicht bewirtschaften kann.“ 
78) Ebda. S. 49, vgl. dazu oben S.ı (Abschn. ı). 
7) Vgl. H. Ritter a.a.O. 5.66. 
%) Ebda. S. 62. 
7%) Ebda. S.63 u. 67. 
") Ebda. 5. 76.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.