Full text: Entwicklungsbedingungen und Aufgaben der modernen Wirtschaftstheorie

politischen Werkes von 1834 hatte, liegt bei grundsätzlicher 
Überlegung klar zutage. 
Die Zahl der angeführten Beispiele möge genügen, um 
darzulegen, in welchem Maße einzelne Entwicklungsstadien der 
Volkswirtschaftslehre durch deren Gesamtentwicklung bedingt sind. 
In hohem Maße gilt ähnliches auch — um nun die 
zweite Grundkomponente zu besprechen — von der Ab— 
hängigkeit des Charakters einer volkswirtschaftlichen Lehr— 
meinung von der geistigen oder methodischen Grundein— 
stellung ihrer Zeit und deren philosophischer und soziologischer 
Grundanschauung (geistesgeschichtliche Komponente). 
Die Auffassung etwa Platos von der Stellung und 
zweckmäßigen Regelung der wirtschaftlichen Tätigkeit im 
Rahmen des sozialen Ganzen ist auf philosophische Wurzeln 
zurückzuführen. Oder die mittelalterliche Kirche sagt: „Dulcis- 
sima rerum possessio communis est“, in welcher m. E. mehr 
charitativen Auffassung wohl die beiden Elemente der Nächsten— 
liebe und vor allem der Geringschätzung irdischer Glückseligkeit 
enthalten sind, ferner an anderer Stelle: „Negotium negat 
otium“ — wirtschaftliche Geschäftigkeit steht im Gegensatz zu 
Ruhe und Seelenfrieden, was von übel ist — „quod malum 
est, neque quaerit veram quietem, quae est deus“ — und 
sucht nicht die wahre Ruhe in Gott. Hier, oder wenn sie 
von der Tätigkeit des Kaufmann sagt: „Deo placere non 
potest,“ sie könne Gott nicht gefallen, kann man wohl un— 
schwer den teilweise Zusammenhang dieser Auffassungen 
mit dem bekannten religiös-philosophischen Zeitgeist von 
damals feststellen. Ferner ist allgemein anerkannt der überaus 
starke Einfluß der philosophischen Zeitströmung, insbesondere 
der der Lehren David Humes und Benthams auf die 
klassische Schule, also insbesondere auf Smith und Ricardo. 
Nicht genug in Rechnung gestellt werden kann auch der 
Einfluß des Naturrechts auf die physiokratische Lehre 
dieser Zeit, die die zeitgenössische Methode naturrechtlichen und 
schließlich naturwissenschaftlichen Denkens — ein Analogon 
bildet in vielen Belangen die Geschichte des 19. Jahrhunderts —
	        
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