Object: Die Entwicklung der deutschen Stahlindustrie mit besonderer Berücksichtigung der Martinstahlerzeugung und der Bedeutung des Schrottes für dieselbe

29 
fast stürmischen Aufschwung, der noch gewaltiger wurde 
mit der Erfindung des Thomasverfahrens. Da es sich hier 
bei um ein Stahlbereitungsverfahren handelt so wuchs denn 
auch die Stahlproduktion weit schneller als die Roheisen 
erzeugung. Das bis dahin in hoher Blüte gestandene 
Puddelverfahren wurde nur noch auf ganz wenige Spe 
zialitäten beschränkt, und das Bessemerverfahren wurde 
auch weiter zurückgedrängt, da es immer schwieriger für 
die westdeutsche Industrie wurde die hierzu erforderlichen 
Erze zu beschaffen, während für das Thomasverfahren ge 
eignete Erze aus Lothringen-Luxemburg und vor allem 
aus Schweden in hinreichender Menge angeboten wurden. 
Seitdem in der deutschen Eisenindustrie der Stahl 
seine vorherrschende Stellung gewonnen hat, entwickelte 
sich in dem westdeutschen Industriegebiete ein ziemlich 
scharfer Konkurrenzkampf zwischen der nordwestlichen 
Gruppe Niederrhein-Westfalen einerseits und der südwest 
lichen Gruppe Saargebiet-Lothringen-Luxemburg anderer 
seits. Im Südwesten fanden sich bis zur Mitte der 90er 
Jahre fast ausschließlich reine Hochofenwerke, die das 
erzeugte Roheisen in der Hauptsache versandten, nur ein 
ganz geringer Teil wurde zu Stahl weiter verarbeitet. Im 
Ruhrbezirk standen diesen reinen Hochofenwerken gleich 
zeitig eine ganze Reihe reiner Stahl- und Walzwerke 
gegenüber, die keine Erze aus der Ferne bezogen, sondern 
Roheisen ankauften. 
Solange der Südwesten und Nordwesten im Verhält 
nis von Käufer und Verkäufer zueinander standen, be 
stand weniger ein Wettbewerb. Dies wurde jedoch anders, 
als man in Lothringen anfing die Werke zur Weiterver 
arbeitung des Roheisens auszubauen. Mit dem Entstehen 
der gewaltigen Stahlwerke im Südwesten, sah sich Nieder 
rheinland und Westfalen gezwungen, die Werke auch zu 
erweitern, oder umzubauen. So entstehen in den 90er
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.